Flossbach von Storch hat es geschafft: Der Kölner Vermögensverwalter ist die beste große Fondsgesellschaft Europas. Das ist das Ergebnis des aktuellen Leistungschecks, den Morningstar einmal im Quartal erstellt – und das Resultat einer Erfolgsgeschichte mit Seltenheitswert.

Basis der Auswertung ist wie immer die Anzahl der Portfolios einer Gesellschaft, die über ein Vier- oder sogar ein Fünf-Sterne-Rating von Morningstar verfügen. Bei den kleineren Häusern gab es an der Spitze keine Überraschungen – allerdings auf den weiteren Plätzen.


FONDS professionell ONLINE präsentiert die Details für vier Einzeldisziplinen. Unsere Grafikgalerie oben zeigt, wie sich die großen Asset Manager und die Investmentboutiquen mit ihrem europäischen Fondssortiment in der Morningstar-Analyse für das erste Quartal 2020 geschlagen haben – einfach weiterklicken!


Nach der Untersuchung der Fondsanalysten für das erste Quartal des laufenden Jahres verfügt der Kölner Asset Manager, der 2019 Absatzkönig in Deutschland war, über einen Anteil von 98,6 Prozent an Portfolios mit einem Vier-oder Fünf-Sterne-Rating – so viele wie kein anderes der großen Häuser. Bei Jupiter, das auf Platz zwei folgt, haben "nur" 83,1 Prozent der Portfolios diese Bewertungen. Auch wenn man auf volumengewichtete oder das gleichgewichtete (arithmetische) Durchschnittsrating des Gesamtsortiments anschaut, ist Flossbach von Storch vorn. "Die Kölner haben infolge der bemerkenswerten Stabilität ihres Fondsvermögens und aufgrund ordentlicher Mittelzuflüsse in diesem Jahr den Kreis der kleineren Anbieter verlassen und befinden sich nunmehr unter den großen Häusern", kommentiert Morningstar-Chefredakteur Ali Masarwah den beerkenswerten Aufstieg.

Erstaunliche Wertstabilität
Der Vermögensverwalter war bis Ende 2019 noch bei den kleineren Häusern eingruppiert. Morningstar hatte aber schon beim Check für das vierte Quartal 2019 vermutet, dass Flossbach von Storch bald in die "Erste Liga" aufsteigen würde – auch wenn die Gründe letztlich andere waren: "Auch wenn die Zuflüsse von knapp 1,5 Milliarden Euro in den ersten drei Monaten ordentlich waren, so ist der Aufstieg in erster Linie der Stabilität der Vermögenswerte zu verdanken. Das Vermögen mit Sterne-Ratings sank nur von 33,7 Milliarden per Ende 2019 auf 32,4 Milliarden Euro per Ende März 2020. Angesichts der Konzentration auf Risiko-Assets ist dieser Umstand bemerkenswert", so Masarwah weiter.

Bei den kleineren Häusern liegen die britischen Aktienspezialisten von Lindsel Train und Fundsmith unverändert vorne. Die beiden Boutiquen sind übrigens seit Beginn der Morningstar-Sortimentanalyse Ende 2015 die besten kleinen Fondsanbieter in Europa. Beide Häuser managen jeweils nur eine Aktienstrategie und kommen im ungewichteten wie im gewichteten Rating jeweils auf ein Fünf-Sterne-Rating. Auch der Einbruch beim verwalteten Vermögen hat beiden keinen Abbruch getan. Das Fondsvermögen bei Fundsmith ging im Verlauf des ersten Quartals von 26,3 Milliarden Euro auf 22,7 Milliarden Euro zurück. Das bewertete Vermögen bei Lindsell Train sank von 18,2 Milliarden Euro auf 14 Milliarden Euro.

Aufsteiger aus Österreich
Bemerkenswert ist noch, dass sich unter den kleineren Wettbewerbern Kepler-Fonds aus Österreich ebenfalls sehr gut behaupten konnte. Der Asset Manager aus Linz an der Donau schob sich den Fondsexperten zufolge im Gesamt-Ranking von Rang 31 auf Platz 16 vor.

Die Österreicher konnten in diesem Jahr vor allem im Bereich defensive Mischfonds und diversifizierte Euro-Rentenfonds punkten. "Die systematische, auf Diversifikation basierende Kepler-Fonds-Strategie hat sich in dieser volatilen Phase, die auch und gerade die Rentenseite betraf, ausgezahlt", so Masarwah. Im volumengewichteten  Durchschnittsrating der Rentenfonds findet man Kepler daher auf Platz acht. (ps/jb)


Zur Ratingmethode und Anbieter-Auswahl
Morningstar analysiert Fonds nach ihrer risikoadjustierten Rendite. Die besten zehn Prozent einer Kategorie erhalten fünf, die nachfolgenden 22,5 Prozent vier Sterne. Ein Fonds mit vier oder fünf Sternen hat also gut zwei Drittel seiner Wettbewerber geschlagen. Bei der Auswertung sind die Analysten folgendermaßen vorgegangen: Morningstar hat den Durchschnitt der Ratings aller Fonds eines Anbieters genommen, aber gewichtetet nach dem Volumen. "Hier fließt das Vermögen der Fonds ein, um so eine Indikation über die Qualität von Fonds zu erhalten, in denen sich das meiste Anlegergeld befindet. Das Rating eines Fonds mit einem hohen investierten Vermögen wiegt hier also schwerer als das Rating eines kleinen Fonds", schreibt Morningstar.

Im Rahmen der volumengewichteten Rating-Analyse werden die Anbieter-Rankings dann auf die einzelnen großen Fondskategorien Aktien und Renten heruntergebrochen. Schließlich enthält die volumengewichtete Teilanalyse auch eine Übersicht über den Anteil von Vier- und Fünf-Sternefonds am benoteten Gesamtvermögen einer Gesellschaft. Damit erhalten Anleger Aufschluss über die Qualität der Fondspalette eines Anbieters in Gestalt einer einzigen Kennzahl. Bei der Übersicht der kleineren Anbieter haben sich die Analysten auf jene Gesellschaften beschränkt, die in jeder Einzelkategorie (Aktien, Anleihen) wenigstens ein Produkt vorzuweisen haben, das von Morningstar benotet wird, also auf sogenannte "Vollsortimenter".

Für die Auswertung der großen Fondshäuser beschränkt sich Morningstar auf die größten 25 Prozent der in Europa tätigen Asset Manager. Die Gruppe der kleineren Fondsanbieter umfasst die größten Häuser aus den Quartilen zwei bis vier des Universums der Rating-Analyse, die aus allen europäischen Fondsanbietern mit einem verwalteten Vermögen ab fünf Milliarden Euro aufwärts besteht. Berücksichtigt werden außerdem nur Portfolios, die ein Morningstar-Rating aufweisen, zum Stichtag Ende März 2020 also mindestens drei Jahre zum Vertrieb zugelassen waren. Geldmarktfonds, offene Immobilienfonds und alternative Investmentstrategien, für die das Analysehaus generell keine Sterne vergibt, bleiben außen vor.