Moody's plant neues Rating-System für Stablecoins
Moody's will ein eigenes Bewertungssystem für Stablecoins einführen. Die geplante Methodik soll Investoren helfen, Risiken im schnell wachsenden Markt besser einzuschätzen – und könnte die Wahrnehmung digitaler Dollar-Token grundlegend verändern.
Moody's Ratings steht kurz davor, ein neues Bewertungssystem für Stablecoins einzuführen, das die Art und Weise verändern könnte, wie Investoren den 300 Milliarden Dollar schweren Markt einschätzen. Die 116 Jahre alte Ratingagentur hat eine Methodik vorgeschlagen, mit der Stablecoins Einlagenratings erhalten sollen – basierend auf der Qualität der jeweiligen Reservewerte, dem Marktbewertungsrisiko und operativen Sicherungsmechanismen. Moody's plant, den Vorschlag nach Berücksichtigung öffentlicher Stellungnahmen, die bis zum 29. Januar eingereicht werden können, zu verabschieden.
Rückenwind durch Regulierung und steigende Nutzung
Der Vorstoß erfolgt vor dem Hintergrund einer zunehmenden Nutzung von Stablecoins sowie neuer Regulierungsregime weltweit. Im Juli verabschiedeten die USA den "Genius Act", der einen regulatorischen Rahmen für Stablecoins schafft. Diese Kryptowährungen gelten als zentrale Liquiditätsquelle im Markt für digitale Vermögenswerte, da sie darauf ausgelegt sind, einen stabilen Wert zu halten – meist durch eine Eins-zu-eins-Bindung an den US-Dollar.
"Unabhängige Bewertung eines oft intransparenten Marktes"
"Stablecoins gewinnen zunehmend an Bedeutung für Banken, Unternehmens-Treasuries und Zahlungssysteme", erklärte das Unternehmen in einer Stellungnahme. Ziel sei es, eine unabhängige Bewertung eines Marktes zu liefern, der sich "noch in der Entwicklung befindet und oft intransparent ist".
"Funktionierende Zwischenlösung"
Robert Franklin III, Managing Partner von RFS Consulting, bezeichnete die derzeitige Methodik als eine "funktionierende Zwischenlösung", die weiterentwickelt werden müsse. "Onchain-Liquidität ist extrem wichtig", sagte er und fügte hinzu, dass die Liquidität einer Blockchain unter Stressbedingungen besonders an Bedeutung gewinne. "Genau das muss ein solches Rahmenwerk bewerten."
Bewertung der Reservewerte im Fokus
Nach der vorgeschlagenen Methodik würde Moody's die Kreditqualität jedes einzelnen Vermögenswerts im Reservepool eines Stablecoins bewerten, um einen gewichteten Durchschnitt zu berechnen. Zusätzlich würde der Marktwert der Vermögenswerte analysiert. Anschließend würde der niedrigere Wert aus der Analyse der Kreditqualität des Pools und der Marktbewertung herangezogen, gegebenenfalls angepasst und schließlich ein Rating vergeben.
Transparenz der Reserven bleibt Streitpunkt
Stablecoins sind in der Regel durch eine Kombination aus Bargeld und bargeldähnlichen Mitteln wie kurzfristigen US-Staatsanleihen gedeckt. Die Emittenten veröffentlichen routinemäßig Berichte über ihre Reserven. Nicht alle Anbieter haben jedoch vollständige Prüfungen durchlaufen – ein Umstand, der in der Branche für Kontroversen sorgt. Dazu zählt auch Tether, der Emittent von USDT, dem weltweit meistgenutzten Stablecoin.
Emittenten müssen Rating beantragen
Wie bei klassischen Kreditratings müssen auch Stablecoin-Emittenten die Bewertung beantragen und bezahlen. Moody's äußerte sich nicht dazu, ob Tether bewertet werden soll. Der Vorschlag sieht jedoch vor, zu berücksichtigen, ob "unabhängige Dritte" die Daten der Emittenten im Rahmen der Analyse überprüft haben.
Schwächstes Glied begrenzt das Rating
Laut dem Vorschlag würden Stablecoin-Ratings durch das "schwächste Glied" begrenzt, also durch den am niedrigsten bewerteten Vermögenswert innerhalb der Reserven. Moody's plant zudem, einen sogenannten Advance Rate anzuwenden – faktisch einen Abschlag –, der auf Risikokennzahlen wie der Liquidität basiert.
Fünf Kategorien liquider Vermögenswerte
Der Vorschlag unterscheidet fünf Kategorien liquider Vermögenswerte. Bargeldeinlagen und Staatsanleihen von Zentralregierungen in derselben Währung sollen dabei höhere Ratings rechtfertigen. Weitere Bewertungskriterien sind die Governance des Stablecoins, der regulatorische Rahmen sowie mögliche Stressszenarien. Portfolios mit hochwertigen liquiden Vermögenswerten könnten laut Moody's ein kurzfristiges Einlagenrating von P-1 erhalten.
Technologische Risiken werden einbezogen
Darüber hinaus sollen technologische Risiken bewertet werden, etwa Sicherheitslücken in Blockchains oder Forks, die die Validierung von Transaktionen erschweren könnten. Algorithmische Stablecoins, die ihren Wert nicht über Besicherung, sondern über automatisierte Angebotssteuerung stabilisieren, schloss Moody's aus. Diese Token waren in der Vergangenheit anfälliger für das Abkoppeln von ihrem Zielwert.
Keine Aussage zur Wertstabilität oder Performance
Moody's betonte, dass das neue Rating nicht zur Beurteilung der Stabilität von Stablecoins oder ihrer Anlageperformance dienen soll. Es spiegele ausschließlich die Wahrscheinlichkeit wider, dass ein Stablecoin fristgerecht eingelöst werden kann. (mb/Bloomberg)















