Verbesserungen im System der Vorsorgekassen (verwalten die verpflichtende Arbeitgeberabgabe der Abfertigung Neu) und der Pensionskassen (freiwillige Arbeitgebereinzahlungen) forderten die Teilnehmer einer Diskussion der Österreichischen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (ÖVFA) in Wien.

Es spreche grundsätzlich nichts dagegen, Beschäftigten das Bestimmungsrecht einzuräumen, ihre gesetzliche betriebliche Vorsorge (Abfertigung Neu) gleich in einer Pensionskasse zu veranlagen und nicht wie bisher in einer (schlechter performenden) Vorsorgekasse. Das sagte David Mum, Ökonom der Gewerkschaft GPA.

Kosten und Maßnahmenanalyse
Er hätte aber gern mehr Transparenz im Vorsorge- und Pensionskassensystem in Österreich. Zum Beispiel wenn es um die Kosten geht. Wo Jahresüberschüsse erwirtschaftet werden, sei Potenzial, das in Richtung besserer Renditeergebnisse zu verschieben. Außerdem müsse analysiert werden wer genau von einer Stärkung der zweiten Säule profitiert. So haben Frauen, die häufig in Teilzeit arbeiten, weniger von Maßnahmen in der betrieblichen Vorsorge. 

Auf dem Plan der türkis-rot-pinken Regierung steht ein sogenannter Generalpensionskassenvertrag, der allen Beschäftigten Zugang zu verrenteten Pensionskassenleistungen ermöglichen soll so wie eine Übertragbarkeit der Beträge aus der Abfertigung Neu in die Pensionskassen. Man müsse dafür sorgen, dass nach der Einführung des Generalpensionskassenvertrags nicht wieder Enttäuschungen wegen falscher Erwartungen entstehen, sagte der Demografie-Experte Rainer Münz. Der Informationsfluss sei hier nicht ausreichend. Es brauche transparentere Erklärungen über die Leistungen der Kassen oder darüber, was die Inflation für die angesparten Erträge bedeutet. "Wir müssen die Leute aufklären", so Münz. Er fordert zudem, dass Pensionskassenkunden, die bereits in der Pension sind, die Option eingeräumt wird, so zu veranlagen, dass sie weiter von der Kapitalmarktperformance profitieren können. 

Kritik am System
Der im Publikum anwesende Florian Beckermann, Vorstand des Interessenverbands für Anleger, kritisierte die geringe Performance der Pensionskassen in Österreich. Andere betriebliche Pensionssysteme in Europa – etwa in den Nordics und in den Niederlanden – seien transparenter, hätten einen höheren Wettbewerb untereinander und deutlich höhere Veranlagungsergebnisse. 

Laut Stefan Pichler, Geschäftsführer des Fachverbandes der Pensions- und Vorsorgekassen in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO), werden in Österreich über 90 Prozent der Pensionsleistungen aus der ersten Säule bezahlt, nur vier Prozent aus der betrieblichen Altersvorsorge. 

Quellensteuerthematik 
Fritz Mostböck, Präsident der ÖVFA betonte, dass auch europaweit Anstrengungen unternommen werden müssten, um die Altersvorsorge zu verbessern. Er verwies auf die weiterhin problematische Quellensteuerthematik: Europäer, die Aktien von Unternehmen anderer Länder kaufen, müssen in beiden Ländern Steuern zahlen. Und die Rückforderung im Zuge von Doppelbesteuerungsabkommen funktioniert nur schleppend und in manchen Ländern nie. (eml)