Passive Indexfonds sind ein Top-Investment, sagt Martin Weber. Aktiv gesteuerte Portfolios sind eindeutig die bessere Wahl, hält Henning Gebhardt dagegen. Die beiden bekannten Fondsprofis argumentieren in einem Streitgespräch in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) für ihre jeweilige Position – und ziehen dabei Investment-Legenden wie Warren Buffett und Star-Unternehmer wie Amazon-Chef Jeff Bezos heran, um ihre Argumente zu untermauern.

Behavioral-Finance-Experte Weber, Senior-Professor an der Universität Mannheim, hat im Jahr 2008 das indexnahe Multi-Asset-Portfolio Arero – der Weltfonds ins Leben gerufen. Ende vergangenen Jahres hat der Fonds, der Anleger nur 0,45 Prozent pro Jahr kostet, die Marke von einer Milliarde Euro beim verwalteten Vermögen geknackt. Anders als Weber ist Gebhardt klar auf der aktiven Seite der Vermögensverwaltung zu verorten: Nach mehr als 20 Jahren bei der DWS, zuletzt in einer Führungsposition, wechselte er 2017 zur Berenberg Bank, die er im September 2019 völlig überraschend wieder verließ. Mittlerweile berät er die Immobiliengesellschaft Brick Mark als Mitglied des Advisory Boards.

Gute Fondsmanager machen einen Unterschied – schlechte auch
Für Weber ist klar: "ETFs sind für mich die erste Wahl. Was kann es für Anleger besseres geben?", fragt er im FAS-Gespräch. Für Gebhardt steht die Antwort fest: "Aktive Auswahl ist ein Vorteil." Anlegern, die per Indextracker in den breiten Markt investieren, entgehen attraktive Chancen, ist er überzeugt – und sowohl die Risiken als auch die Kosten sind für ETF-Anleger höher als gedacht. "Wenn aktive Fondsmanager ihre Arbeit gut erledigen, macht das einen Unterschied. Wer dagegen auf ETFs setzt, stürzt gemeinsam mit dem Markt ab, wenn es so stark nach unten geht wie während des Corona-Crashs im März", warnt der Ex-DWS-Topmann.

Weber führt die Empirie ins Feld, um Gebhardt zu kontern. Untersuchungen für den US-Markt zeigten: Wer einmal zu den besten Portfoliolenkern seiner Klasse gehört, schafft es danach nur noch selten in die Spitzengruppe, erklärt er. Wer dagegen mit seinem Fonds einmal zu den schlechtesten zehn Prozent seiner Vergleichsgruppe zählte, gehört mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft zu den Außenseitern. "Ich habe durchaus Respekt vor der Arbeit vieler aktiver Fondsmanager", sagt Weber. Studien belegten, dass sie sich deutlich besser schlagen als normale Privatanleger. "Ihnen gelingt es nur nicht, damit die Gebühren von bis zu zwei Prozent wieder hereinzuholen, die sie in aller Regel erheben" schränkt Weber ein. Sein Zwischenfazit: Die Gebühren in der Branche seien zu hoch, die Arbeit klassischer Fondskapitäne oftmals zu teuer.

"Nicht nur die Arbeit des Fondsmanagers kostet, sondern auch der Vertrieb und natürlich die Beratung", hält Gebhardt dagegen. Die Deutschen seien in dieser Hinsicht interessant: Sie wollten für die Beratung in der Bank einerseits nichts zahlen, seien aber andererseits unzufrieden, wenn sie nachher leicht höhere Gebühren für ihre Fonds zahlen sollen. "Dabei ist das der Weg, über den sich die Banken die Beratungsleistung wieder hereinholen." Weber macht einen Alternativvorschlag: "Man könnte es ja mal mit Honorarberatung versuchen. Dann zahlt der Kunde fürs Beratungsgespräch. Das ist international längst üblich."

Wie viel Glück hatte Buffett?
Um eine Lanze für das aktive Management zu brechen, weist Gebhardt auf erfolgreiche Fondsmanager-Kollegen wie Bert Flossbach hin – und auf den ungekrönten Anleger-König Warren Buffett. "Interessanterweise gibt es immer wieder Investoren, die es schaffen, den Markt zu schlagen", betont er. Diese Einzelfälle will Weber, ganz Universitätsprofessor, nicht gelten lassen: "Buffett ist ein ganz erstaunlicher Anleger", räumt er zwar ein. Aber: "Rein wissenschaftlich betrachtet müsste er 200 Jahre alt werden – erst dann hätte seine Leistung eine statistische Aussagekraft." Buffetts bisherige Anlageerfolge könnten im Wesentlichen und über weite Strecken ebenso gut purer Zufall gewesen sein, meint Weber.

Ein glückliches Händchen möge in der Geldanlage hier und da eine Rolle spielen, gibt Gebhardt zu. Ein gewisses Selbstvertrauen gehört aber seiner Ansicht nach dazu, wenn man Erfolg haben will. "Wie verrückt muss man sein, um daran zu glauben, dass man den führenden Online-Händler der Welt aufbauen kann?", fragt er. "Amazon-Gründer Jeff Bezos hat es trotzdem geschafft. Es gehört zum Naturell der Menschen, dass sie denken, sie könnten etwas, was andere nicht können."

In diesem Punkt können sich die beiden Anlageprofis dann doch noch einigen. "Wir haben Spaß am Wettbewerb, denken, wir seien besser als der andere", sagt auch Behavioral-Finance-Experte Weber. Aus diesem Grund werden aktive Fonds nicht aussterben, ist er sich sicher. Aktive und passive Anlagen dürften sich vielmehr in einem neuen Gleichgewicht einpendeln. "Darum bin ich sicher: Herrn Gebhardt und mir wird auch in Zukunft der Gesprächsstoff nicht ausgehen", so Weber versöhnlich am Ende des FAS-Streitgesprächs. (fp/ps)