Liquid-Alternative-Fonds setzen typischerweise alternative Strategien in einem Ucits-Vehikel um und bieten Anlegern damit Zugang zu neuen Ertragsquellen. Gerade in Zeiten der Niedrigzinsen erschienen sie daher als interessante Alternative zu traditionellen Anleihen und hochbewerteten Aktien. Doch angesichts der wieder höheren Renditen am Anleihemarkt scheinen Anleger das Interesse an den komplexen Produkten zu verlieren – viele Fonds kämpfen offenbar mit Mittelabflüssen.

Höhere Zinsen machen den "Hedgefonds light" Kunden streitig
Das Anlagevolumen zahlreicher Liquid-Alternative-Fonds liegt derzeit weit unter den Höchstständen. Jüngstes Beispiel: Der Fondsanbieter Feri hat den auf Volatilitätsstrategien fokussierten Optoflex wieder für Neuanlagen geöffnet. 2021 hatte Feri den Fonds aufgrund hoher Kundennachfrage bei einer Größe von etwa 2,3 Milliarden Euro für Neukunden geschlossen. Laut Feri-Geschäftsführer Carsten Hermann schichten Anleger aber seit Ende des Negativzinsumfelds wieder verstärkt in den traditionellen Anleihebereich um, was zu Abflüssen geführt habe – aktuell ist der Fonds rund 1,7 Milliarden Euro schwer. Nach einem Minus von 7,3 Prozent im vergangenen Jahr legte der Optoflex seit Jahresanfang 6,5 Prozent zu. 

Auch andere große Liquid-Alternative-Fonds leiden unter sinkendem Anlagevolumen: Der JPM Global Macro Opportunities ist von mehr als vier Milliarden Euro vor einigen Jahren auf aktuell 3,5 Milliarden geschrumpft. Der Fonds, der teils mit alternativen Instrumenten auf globale Trends setzt, wies zuletzt eine durchwachsene Performance auf. Ähnliches gilt für den Loys Global L/S, der 2022 mit einem Performance-Minus enttäuschte und von seinen Höchstständen bei mehr als 200 Millionen Euro zuletzt unter 100 Millionen Euro sackte. Auch der globale Makrofonds Invesco Global Targeted Returns Fund schrumpfte von seinen fast zwei Milliarden Euro vor wenigen Jahren kräftig – dabei konnte der Fonds 2022 Kursverluste für Anleger deutlich reduzieren. Seit Jahresanfang verzeichnet Invesco nach eigenen Angaben relativ stabile Mittelflüsse, allerdings liegt das Fondsvolumen mit rund 310 Millionen Euro weit unter dem früheren Höchststand.

Unterm Strich sind die Mittelabflüsse in dem Fondssegment offenbar kein Resultat enttäuschender Performance im Krisenjahr 2022. Im Gesamtjahr 2022 hatten die Fonds laut einer Untersuchung des Asset Managers Lupus Alpha im Durchschnitt aller Strategien – unter anderem Absolute-Return-Ansätze mit Aktien und Anleihen, Long-Short-Strategien, alternative Strategien mit Unternehmensanleihen oder Relative-Value-Ansätze – deutlich besser abgeschnitten als Anleihen und Aktien. Mit ihrer Durchschnittsrendite von minus 1,49 Prozent waren sie weitaus stabiler als der MSCI World oder Euro-Staatsanleihen mit je rund 18 Prozent Verlust. Doch bereits im vergangenen Jahr beobachtete Lupus Alpha deutliche Nettomittelabflüsse, vor allem bei den alternativen Anleihenstrategien. Nun hat sich zusätzlich das Zinsumfeld deutlich geändert: Ralf Lochmüller, Geschäftsführer von Lupus Alpha, sagt: "Die Investoren suchen wieder den risikofreien Zins zulasten der Risiko-Assets wie Aktien."

Oft enttäuscht die langfristige Performance 
Jens Kummer, Investmentchef des auf institutionelle Investoren spezialisierten Beraters Faros, sieht das Problem nicht nur in den Zinsen, sondern eher in der langfristigen Performance: Während gerade institutionelle Anleger in den vergangenen Jahren in nicht-börsennotierte Anlagen wie Private Equity umgeschichtet hätten, sei der Anteil der "liquiden Alternativen" gesunken, so Kummer. Das liege vor allem an der langfristigen Wertentwicklung. Kummer: "Obwohl liquide Alternativen das kurzfristige Risiko verringern können, ging diese Eigenschaft oft zulasten der langfristigen Renditen."

Zu den weiteren Aussichten der Fondsklasse heißt es bei Invesco: "Anleger sehen sich heute mit einem ganz anderen Wirtschafts- und Marktsystem konfrontiert." Liquidität sei angesichts der anhaltenden Marktunsicherheit und des sich abzeichnenden Wandels der Wirtschaftsordnung von höchster Bedeutung, ebenso wie diversifizierte Ertragsquellen. Gut möglich also, dass Liquid-Alternative-Fonds schon bald wieder eine Renaissance erfahren. (jh)