Jahrelang existierten Kryptowährungen fernab einer größeren Öffentlichkeit in einem Graubereich zwischen "Spielfeld für IT-Freaks" und "dunkler Geldtransferkanal für Ganoven". Erst der rasante Kursanstieg bei Bitcoins und anderen virtuellen Währungen vor rund zwei Jahren lockte die Massen an – und damit auch Anlagebetrüger, die den Hype für ihre Zwecke nutzten. Dazu gesellen sich immer öfter Erpresser, die IT-Systeme ganzer Firmen in "Geiselhaft" nehmen und nur gegen Zahlung von Kryptogeld wieder freigeben. Ein enormer Aufwand für die Cybercrime-Ermittler, die dabei meist grenzüberschreitenden Tätergruppen gegenüberstehen.

Wie jüngst veröffentlichte Zahlen aus dem Bundeskriminalamt (BK) zeigen, wurden allein in Österreich seit 2018 durch das Cybercrime-Competence-Center (C4) im BK bei 80 Hausdurchsuchungen Kryptowährungen im Wert von fünf Millionen Euro sichergestellt. Eine Sicherstellung gilt vielfach als Glücksfall; einmal überwiesenes Kryptogeld entzieht sich meist dem Zugriff der Behörden. 

Das C4 ist die nationale und internationale Ansprechstelle für die elektronische Sicherung und Auswertung von Beweismitteln. Blockchain-Ermittlungen werden dort seit 2017 im Rahmen der Cybercrime-Ermittlungen durchgeführt.

"Behördenwallets"
Seit 2018 ist das C4 rechtlich und technisch in der Lage, Kryptowährungen sicherzustellen. Das geschieht auf eigenen Behördenwallets; also auf eigens erstellten elektronischen Geldbörsen, auf denen virtuelle Währungseinheiten gespeichert werden können. "Derzeit stehen im BK 1.000 Behördenwallets für Amtshandlungen zur Verfügung", heißt es. Dort warten die Beträge auf die Entscheidung eines Gerichts.

Die technische Aufrüstung der Ermittler zeigt laut den Angaben Erfolge mit Signalwirkung: Die Aufklärungsquote bei den Delikten von Cybercrime im engeren Sinn ist von 28,2 Prozent (2017) auf 32,1 Prozent (2018) angestiegen. (eml)