In Österreich ist eine Diskussion über Altersdiskriminierung bei Finanzdienstleistungen entstanden. Anlass ist ein Bericht der Redaktion von "help.orf.at" in der Vorwoche. Demnach gibt es seit Jahren Beschwerden, weil Pensionisten die Ausstellung oder Verlängerung einer Kreditkarte verweigert wird.

So meldete sich zum Beispiel eine 72-jährige Frau bei der Antidiskriminierungsstelle Steiermark, weil ihr, seit sie 70 Jahre alt ist, die Kreditkarte nicht mehr verlängert wurde. Das ist problematisch für die Frau, die viel reist, da Hotels und Flüge heute üblicherweise über Kreditkarte gebucht werden. Es handle sich nicht um einen Einzelfall, wird Daniela Grabovac zitiert, die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle Steiermark. Allein die Stelle in der Steiermark kenne über 100 solcher Fälle.

Nicht nur Kreditkarten-Besitzer betroffen
Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec kritisierte in einer Stellungnahme vom Freitag, dass Pensionisten nicht nur bei Kreditkarten, sondern auch bei anderen Finanzdiensten häufig auf unerwartete Ablehnung stoßen. Es gebe "zahlreiche ähnliche Fälle", die bei diversen Antidiskriminierungsstellen gemeldet worden seien, so Korosec.

Zu Problemen dürfte es etwa immer wieder beim Überziehungsrahmen kommen. Auf orf.at wird das Beispiel eines pensionierten Bankdirektors mit 5.000 Euro Pension angeführt, der erst auf seinem Kontoauszug bemerkte, dass sein Überziehungsrahmen auf null gestellt wurde. Auf Nachfrage verwies die Bank auf einen Fehler im Computersystem, den man umgehend bereinigen werde. Anders ging es einer 82-jährigen Kontoinhaberin mit 1.400 Euro Pension: für einen Überziehungsrahmen von 200 Euro verlangte die Bank eine Bürgschaft ihres Sohnes. Die Bank argumentierte, die Kundin könne jederzeit sterben, dann würde man auf den 200 Euro sitzen bleiben.

"Alter zählt vor Bonität"
Das Muster sei stets das Gleiche: "Nicht die Höhe der Pension oder die Bonität gibt den Ausschlag, sondern das Alter", so Korosek. Erschwerend komme hinzu, dass man in Österreich, im Unterschied zu mehr 30 anderen Staaten Europas, rechtlich nicht gegen Altersdiskriminierung im Bank- und Versicherungswesen vorgehen könne, so Korosek. Der finanzielle Handlungsspielraum von fast 1,7 Millionen Menschen über 65 werde damit systematisch eingeschränkt.

Die Antidiskriminierungsstelle Steiermark konnte bezüglich des Überziehungsrahmens in einigen Fällen erfolgreich bei den Banken intervenieren. Kreditkarten wurden aber in keinem einzigen Fall ausgestellt, wie es heißt.

Die Bundessparte Bank und Versicherung der Wirtschaftskammer Österreich hat gegenüber orf.at den Vorwurf der Altersdiskriminierung zurückgewiesen. Bei Kreditkarte seien in erster Linie regelmäßige Gehalts- oder Pensionseingänge ausschlaggebend. Allein aufgrund des Alters würde kein Kunde abgelehnt. (eml)