Sein Vermögen mit gutem Gewissen nach ESG-Kriterien anzulegen ist zweifellos en vogue. In einem "Handelsblatt"-Beitrag zeigen sich nun aber mehrere Anlagestrategen kritisch gegenüber dem verbreiteten Vorgehen, Ökofaktoren – also das "E" in ESG – besonders stark zu berücksichtigen. "Es gibt schon groteske Bewertungsaufschläge, nur weil ein Unternehmen beispielsweise in der Umwelttechnik engagiert ist", mahnt Götz Albert, Chefanlagestratege beim Fondshaus Lupus Alpha. Während die Aktien von Unternehmen wie dem Leergutrücknahme-Spezialist Tomra ihren Kurs innerhalb von fünf Jahren versechsfacht haben, können dem Experten zufolge ähnlich gut aufgestellte Unternehmen mit geringerer Öko-Strahlkraft nicht mithalten.  

Auch andere Finanzprofis melden sich zu Wort und kritisieren, Nachhaltigkeit werde oft ausschließlich auf die Umweltdimension reduziert, und Investoren ließen sich von grünen Labels blenden. "ESG-Darlings" würden in Folge oft deutlich überbewertet, etwa bei den Versorgern oder in der Branche der erneuerbaren Energien, sagt Michiel Plakman, Leiter Global Equity beim Vermögensverwalter Robeco. Stattdessen seien unter Bewertungsaspekten Unternehmen interessant, die sich im Übergang zu einem ESG-konformeren Geschäftsmodell befänden. Solche Gelegenheiten gebe es bei Kfz-Zulieferern, Industriewerten und in der Gesundheitsbranche, schreibt die Zeitung weiter.

Ein Faktor von vielen
Auch auf Soziales und gute Unternehmensführung sollten Anleger stärker achten, lautet der Rat der Anlage-Experten. Bei aller Begeisterung für ESG darf zudem nicht versäumt werden, die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells gewissenhaft zu prüfen, so der Tenor der zitierten Experten. "Umwelt- und Klimaschutz ist ein Inputfaktor für die Unternehmensanalyse, aber nur einer von vielen", sagt Lupus-Alpha-Stratege Albert. (fp)