Die Verbraucherpreise steigen in diesem Jahr rasant. "Mit 4,3 Prozent war die Inflation im November 2021 so hoch wie zuletzt im Mai 1992 und damit mehr als doppelt so hoch wie der EZB-Zielwert", erklärte Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas vor wenigen Tagen. Das wirft die Frage nach den Auswirkungen auf die Immobilien aus. Gemeinhin gelten sie für den Investor als "Inflationsschutz". Das gilt aber nur für nicht selbst genutzte Immobilien mit indexierten Mietverträgen, im Rahmen derer die Miete regelmäßig an die Inflationsentwicklung angepasst wird. Insofern bieten Immobilien keineswegs automatisch einen "Inflationsschutz".

Das Problem, das Immobilieninvestoren eher haben, ist der langanhaltende Umstand, dass die Kaufpreise viel stärker steigen als die Mieten. Aus diesem Grund sind die Immobilienrenditen in den vergangenen zehn Jahren deutlich nach unten gegangen. Sorgen, dass die allgemeine Inflation die Immobilienpreise zusätzlich in die Höhe treiben, sind jedoch unbegründet, berichtet FONDS professionell.

Gestehungskosten hängen nicht an der allgemeinen Inflation
In den vergangenen Jahren sind die Immobilienpreise losgelöst von den Verbraucherpreisen kräftig gestiegen. Preistreiber waren primär steigende Grundstücks- und Baukosten und die extrem hohe Nachfrage von Käufern. Der Verbraucherpreisindex, kurz VPI, hat also für die Immobilienpreise keine große Relevanz. "Die allgemeine Inflation hat keine direkten Auswirkungen auf die Baubranche – nur indirekt über ­höheres Lohnwachstum der Beschäftigten“, meint Wifo-Ökonom Michael Klien.

Aussagekräftiger für die Immobilienwirtschaft ist der Baupreisindex, der die Ver­änderung der tatsächlichen Preise, die der Bauherr für Bauarbeiten bezahlen muss, darstellt. In den vergangenen Monaten ­haben insbesondere der Holzbau, die Metallbauarbeiten, Glasfassaden, Beton-, Stahlbeton- sowie Dachabdichtungsarbeiten die Gestehungskosten nach oben befördert. ­Allein in den ersten neun Monaten 2021 stieg der Baupreisindex der Statistik Austria um rund zehn Prozent.

Dazu ein konkretes Beispiel: In Österreich explodierte der Fichte- und Tanne-Sägerundholzpreisindex in Jahr 2021. Stand der Index im 3. Quartal 2020 bei 98,6 Punkten, notierte er heuer im dritten Quartal mit 160,6 Punkten. Diese Entwicklung wurde – mit regionalen Unterschieden – weltweit beobachtet. In den vergangenen Wochen sind die Holzpreise wieder gesunken. (ae)


Den ausführlichen Bericht über die möglichen Auswirkungen der steigenden Inflationsrate auf die Immobilienwirtschaft lesen Sie in der FONDS professionell-Ausgabe 4/2021 ab Seite 148. Angemeldete Nutzer finden den Artikel auch hier im E-Magazin.