2021 war, trotz aller Herausforderungen rund um Covid-19, ein herausragendes Immobilienjahr. Die Remax-Hochrechnung erwartet für 2021 mit über 150.000 Immobilien-Verbücherungen einen neuen Rekordwert. Während für die Eigentumswohnungs-Verbücherungen ein spürbares Plus erwartet wird, rechnen die Remax-Experten bei den Einfamilienhäusern mit einem Minus. Die endgültigen Zahlen wird der "Remax Immospiegel 2021“ im März 2022 präsentieren. Das Immobilienangebot ist 2021 im Vergleich zum Vorjahr – speziell im Bereich der Wohnimmobilien – weiter deutlich zurückgegangen. Dies führte bei Eigentumswohnungen, aber vor allem bei den Einfamilienhäusern zu spürbar steigenden Preisen. "Auch das Jahr 2021 war wieder von einer sehr starken Nachfrage, einem in vielen Regionen knappen Angebot, von fehlenden attraktiven alternativen Geldanlagemöglichkeiten und einem weiterhin historisch niedrigen Zinsniveau geprägt. Diese Rahmenbedingungen haben in Summe zu deutlichen Preisanstiegen geführt", erklärt Bernhard Reikersdorfer, MBA, Geschäftsführer von Remax Austria.

Für das Jahr 2022 gehen die Immobilienspezialisten von einem deutlichen Nachfrageanstieg an. Der Remax Real Estate Future Index (RREFIX), dieser fasst die Experten-Meinungen von rund 600 Immobilienspezialisten zusammen, prognostiziert für 2022 einen starken Preisanstieg bei Wohnimmobilien. Am stärksten nachgefragt werden dieses Jahr Baugrundstücke, Wohnobjekte in Einzellagen, Einfamilienhäuser und Wochenendhäuser sein. "Ein neues Biedermeier mit der Wertschätzung der eigenen vier Wände, ein Nachholeffekt nach den coronabedingt verhaltenen Erwartungen für 2021 und nicht zuletzt eine sprunghaft steigende Inflation, die auch bei Baumaterialen und Baudienstleistungen und damit bei Neubau und Sanierung voll durchschlägt, kommen in der Prognose für 2022 zusammen", erklärt Remax-Austria-Experte Anton E. Nenning. "Die Prognose für 2022 erinnert an jene für 2012, also vor genau zehn Jahren. Allerdings war die Ausgangslage damals bereits in den beiden Jahren zuvor sehr dynamisch."

Immobilienmarkt in 17 Hauptsegmenten analysiert
Getrennt nach Angebot, Nachfrage, Preis und Bundesland wurden für den Remax Real Estate Future Index 2022 wieder die  wichtigsten Kombinationen aus Lage und Immobilientyp analysiert. Von den 17 Preisindikatoren zeigten für 2020 noch 13 nach oben, für 2021 nur neun, aber für 2022 sogar 14. Was sich gegenüber der 2020er Prognose geändert hat, ist allerdings das Ausmaß der erwarteten Preissteigerung.

Im oberen Preissegment der Wohnimmobilien wird die Nachfrageentwicklung in der RREFIX-Prognose spürbar stärker eingeschätzt als in den Vorjahren. Während sie für 2019, 2020 und 2021 bei -0,4 Prozent, -0,3 Prozent und -0,6 Prozent lag, dreht sie für 2022 auf 2,0 Prozent.
Die Angebotsprognose für die gehobene Preisklasse spiegelt dagegen keine Dynamisierung des Marktes wider. Sie sinkt von 1,1 Prozent für 2021 wieder auf den Wert für 2020, nämlich auf 0,6 Prozent. Im mittleren Preissegment steigt die Nachfrage von konstant 2,7 Prozent für 2020 und 2021 auf 6,1 Prozent für 2022. Das Angebot wächst hier schwächer, statt um 2,4 Prozent für 2021 nur 0,7 Prozent für 2022. Die Preiserwartung im Mittelpreissegment geht von 3,4 Prozent für 2019 und 2020 über 1,7 Prozent für 2021 auf 7,4 Prozent für 2022 steil nach oben. 

Für das untere Immobilien-Preissegment sollte sich der Preisdruck den Remax-Experten zufolge nicht entspannen, sondern – ganz im Gegenteil – verstärken. Die Nachfrageprognose im unteren Preissegment stieg in den Jahren 2018 bis 2021 von 7,8 Prozent über 5,7 Prozent und 4,7 Prozent auf 5,2 Prozent. Für das neue Jahr liegt sie bei neun Prozent. Dagegen soll 2022 die Anzahl der angebotenen Immobilien im unteren Preissegment zurückgehen, nämlich um -0,2 Prozent.

Die Trends: Iimmobilientypen und Lage
Eigentumswohnungen in zentralen Lagen liegen in der Nachfrageprognose auf Rang sechs, also am Beginn des zweiten Drittels. Mit einem Plus von 5,3 Prozent ist die Nachfrageveränderung für 2022 doppelt so hoch wie die Nachfrage-Steigerung für 2021 und auch um die Hälfte höher als für 2020. Wie schon in der Erwartung für 2021 soll sich die Nachfrage nach Eigentumswohnungen am Stadtrand besser entwickeln als für Eigentumswohnungen an anderen Standorten und bei allen Mietwohnungen. Die Nachfrage nach Mietwohnungen am Stadtrand soll 2022 den Remax -Experten zufolge um 1,3 Prozent zunehmen. Das ist mehr als 2021 und 2020 (+1,1 %).

Das Angebot soll – wie schon für 2021 prognostiziert – auch 2022 um zwei Prozent zulegen.
Auch die frei zu vereinbarenden Mietzinse sollen bei Neuvermietungen am Stadtrand wieder ansteigen: Erwartet werden für 2022 zwei Prozent nach Stillstand für 2021 (-0,5 %) und 0,7 Prozent für 2020.

Einfamilienhäuser: Mehr als nur begehrt.
Die Einfamilienhäuser bleiben auch für 2022 in der Nachfrage-Erwartung, wie 2020 und 2021, auf Rang zwei, diesmal allerdings ex aequo mit Wohnobjekten in Einzellage.
Seit Jahren sind die Prognosen der Nachfrageveränderungen sehr hoch: 2018: 4,8 Prozent, 2019: 4,3 Prozent, 2020: 3,8 Prozent und 2021 4,0 Prozent. Aber für 2022 fällt die Situation noch deutlicher aus: 7,9 Prozent Nachfragezuwachs. Das Angebot an Einfamilienhäusern soll dagegen gleichbleiben, oder sogar noch unmerklich um -0,3 Prozent zurückgehen.

"Hausbesitzer, die jetzt verkaufen wollen, haben aktuell hervorragende Chancen. Ob ein Trauerfall, eine Trennung, eine Übersiedlung oder die im Alter vielleicht zu mühsame Instandhaltung der Grund ist oder einfach die Überlegung, bei bestem Wind maximal Kapital aus dem Betongold zu schlagen, um den Lebensabend in vollen Zügen genießen zu können – die Nachfrage ist einmalig gut, die Finanzierbarkeit für die Käufer immer noch sensationell und die Konkurrenz am Markt überschaubar. Mit einer professionellen Vermarktungsstrategie und einer optimierten digitalen Preisfindung können Profis nicht nur einen, sondern den für den Eigentümer bestmöglichen Käufer finden", erklärt Nenning.

Wohnobjekte in Einzellagen
Wohnobjekte in Einzellagen, also mit erheblicher Distanz zum Nachbarn, sind ganz vorne im Ranking der Wohnobjekte. Schon in der 2021-Erwartung ist die Nachfrage von 2,6 Prozent für 2020 auf 3,9 Prozent gestiegen. Für 2022 zeigt die Nachfrageaussicht einen Anstieg von 7,9 Prozent. Die Angebotsmenge dreht von gerade noch positiv für 2021 (+0,3 %) auf doch schon negativ (-0,5 %) für 2022. Die Preiserwartung für Einzellagen geht allerdings durch die Decke. Im Vorjahr noch auf drei Prozent, gilt für die 2022-Prognose beinahe eine Verdreifachung der Preissteigerung auf 8,2 Prozent.

"Einzellagen und die damit verbundenen Baugenehmigungen abseits geschlossener Siedlungen sind rar, begehrt und kaum vermehrbar. Schließlich sind die Kommunalverantwortlichen angehalten, die Zersiedelung der Landschaft zu verhindern und gleichzeitig ihre Infrastrukturkosten mit Straßenerhaltung, Kanalisation, Wasser und andere Leitungsnetze unter Kontrolle zu halten", sagt Reikersdorfer.

Stärkster Anstieg bei Baugrundstücken erwartet
Die Nachfrage nach Baugrundstücken brummt schon seit einigen Jahren deutlich: Ein Plus von 5,5 Prozent für 2019, 5,1 Prozent für 2020 und 6,6 Prozent für 2021. Für 2022 wird jedoch eine Nachfragesteigerung von 10,1 Prozent erwartet. „Ein Grund für den Nachfrage-Boom ist die Erwartungshaltung vieler, dass die Neuaufschließung von Baugrundstücken nicht so wie in der Vergangenheit weitergehen wird“, teilt Nenning mit. Diese Meinung bestätigt die Prognose, dass das Angebot um -3,7 Prozent zurückgehen wird. Das ist pessimistischer als für alle anderen 16 Immobilienkategorien und um -1,6 Prozentpunkte und -1,4 Prozentpunkte negativer als für 2021 und 2020. Der Preis für Baugrundstücke wird weiter steigen und die Steigerungsrate auf hohem Niveau bleiben. Zum Vergleich die Vorhersagen für die letzten Jahre:  Plus 5,5 Prozent für 2019, 5,3 Prozent für 2020 und 5,4 Prozent für 2021. Für 2022 lautet die Prognose: Plus 10,2 Prozent. (gp)