Die Konditionen für Häuselbauer bleiben weiterhin rekordverdächtig, auch wenn die Banken zuletzt wieder etwas mehr von ihren Kreditkunden verlangten. Das zeigen die jüngsten Werte des quartalsmäßig erhobenen Infina Kredit Index (IKI).

Für einen zehnjährigen Fixzinskredit über 100.000 Euro verlangen Österreichs Banken im Schnitt einen Nominalzins von 1,245 Prozent, effektiv 1,66 Prozent. Das ist die erste – wenn auch minimale – Steigerung seit langem. In der Erhebung zum vorangegangenen Quartal war der Wert nominal auf ein historisches Tief von 1,170 Prozent gesunken, effektiv auf 1,58 Prozent (siehe Grafik). 

Verfall "äußerst bemerkenswert"
"Das dritte Quartal 2019 war von einem so wohl nicht erwarteten Verfall der langfristigen Zinssätze geprägt", erklären die Infina-Experten den Rekordtiefstand im Vorjahr. Der 20-jährige Euro-Swapsatz habe historisch erstmals am 16.8.2019 einen negativen Wert verzeichnet. "Während man bei den kurzfristigen Refinanzierungsindikatoren, wie dem 3-Monats-Euribor, negative Werte mittlerweile seit vielen Jahren gewohnt ist, war dies dann doch äußerst bemerkenswert", heißt es.

Dies hatte auf die langfristigen Fixzinssätze von Wohnbaukrediten erheblichen Einfluss. "Die Fixzinssätze, beginnend von zehn bis zu 30 Jahren, gingen massiv in die Knie. Noch nie zuvor konnten sich Kreditnehmer langfristige Fixzinssätze bei Wohnbaukrediten über Jahrzehnte auf derart niedrigem Niveau sichern", so die Analyse des Kreditbrokers.

Hoher Wettbewerb, geringe Inflation
Selbst die im vierten Quartal einsetzende Gegenbewegung ändere daran nicht viel. Auch wenn mit Jahresbeginn 2020 die langfristigen Swapsätze – etwa der 20-jährige auf 0,54 Prozent – angestiegen sind, bleibe das große Bild unverändert. "Die Inflation ist weiterhin niedrig, und die EZB pumpt viel Geld in das Wirtschaftssystem", schreiben die Experten.

Noch dazu drückt der Bankenwettbewerb auf die Zinsmargen. Eine "expansive Vergabe von Wohnkrediten und die Präsenz einiger ausländischer Banken am heimischen Kreditmarkt“ habe den Konditionswettbewerb verschärft. Die Neukreditvergabe von Wohnbaukrediten stieg dabei in Österreich laut OeNB in den ersten elf Monaten 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 11,2 Prozent auf 18,9 Milliarden Euro. (eml)