Er nervt Schüler und Studierende, versetzt hauptberufliche Schreiber ins Staunen, erhitzt regelmäßig die Gemüter von Sprachtraditionalisten – und hat schon manchen Streit beim "Scrabble"-Spielen geschlichtet: Die Rede ist vom Rechtschreibwörterbuch "Duden", das seit wenigen Tagen in der 28. Auflage auf dem Markt ist. 

Im Gegensatz zu anderen Nachschlagewerken wie dem "Großen Brockhaus" gibt es den Duden nach wie vor auch in gedruckter Version – wobei die aktuelle Fassung mit 1.296 Seiten die umfangreichste aller Zeiten ist. Insgesamt rund 148.000 Worte sind darin zu finden, darunter circa 3.000 neue. Zum Vergleich: Im Jahr 2009 waren es erst 135 .000 Begriffe. Die Urfassung des Rechtschreib-Kompendiums von 1880 kam sogar mit nur 27.000 Stichwörtern aus. Besonderer Clou diesmal: Käufer des Buches erhalten für einen Monat einen Gratiszugang zum "Duden-Mentor", der Rechtschreibprüfungs- und Textverbesserungs-App des Verlags.

Um zu entscheiden, ob Worte "Duden-würdig" sind, durchstöbern Computerlinguisten ständig eine riesige elektronische Textsammlung, in die Zeitungsartikel, Gebrauchsanweisungen und Bücher eingespeist werden. Kommen Begriffe häufig genug und über einen gewissen Zeitraum vor und bilden demnach "gesellschaftliche Entwicklungen" ab, werden sie ins Wörterbuch aufgenommen. Sind sie nicht mehr gebräuchlich, fliegen sie wieder heraus.

Amüsanter Rundgang über den "Wortfriedhof"
Einer der Lektoren hat minutiös aufgeführt, welche Begriffe dem Zeitgeist über die Jahre zum Opfer fielen. In seinem Buch "Was nicht mehr im Duden steht" lädt der Autor Peter Graf zu einem Ausflug auf den "Wortfriedhof" der Duden-Redaktion ein.

Unter den verschwundenen Termini findet sich manche Kuriosität, deren Bedeutung man heutzutage bestenfalls erraten kann. Oder wüssten Sie auf Anhieb, was mit "Zugemüse" gemeint war? Nicht viel anders ergeht es modernen Lesern wohl beim "Überschwupper", einer Eindeutschung von "Pullover", die schon 1941 aus dem Duden eliminiert wurde. Der "Schwitzer" hingegen, die deutsche Variante von "Sweater", blieb bis in die 1960er Jahre im Register. Und die Essensbeilage "Zugemüse" schaffte es immerhin bis in die Edition von 2000.

Zahlreiche Neuzugänge
Doch im aktuellen Duden gibt es nicht nur Streichungen, sondern auch eine Fülle an Neuaufnahmen. Neben Begriffen wie Klimanotstand, Elektroscooter, Einlaufkind, Netflixserie, Gänsehautmoment, Chiasamen oder Lockdown findet sich eine ansehnliche Ansammlung von Wörtern, die ihren Ursprung in der Wirtschaftswelt haben.

Eine Auswahl von Finanzbegriffen und was sie laut Duden-Definition bedeuten, zeigt unsere Bilderstrecke oben in alphabetischer Reihenfolge. (ps)