Glaubensbasierte Fonds: Immer hinter die Etiketten schauen
Religiös orientierte Fonds kombinieren Renditeziele mit religiösen und ethischen Prinzipien. Doch je nachdem, welche Glaubensrichtung hinter einem Produkt steht, können die Investmentstrategien sehr unterschiedlich ausfallen, zeigt eine Morningstar-Studie.
Religiös orientiertes, auf Glauben basierendes Investieren ist ein äußerst vielfältiger Bereich der Anlagewelt, in dem es allerdings häufig zu Missverständnissen kommt. Auch wenn Fonds ähnlich heißen, unterscheiden sich die Strategien erheblich, wenn es um Screening- und Ausschlusskriterien sowie Portfolioergebnisse geht. Trotz gemeinsamer wertebasierter Ziele können ein katholischer Fonds, eine Scharia-konforme Strategie und eine konfessionslose christliche Investmentlösung zu sehr unterschiedlichen Portfolios führen.
Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie der Fondsratinggesellschaft Morningstar, die weltweit 853 auf religiösen Grundsätzen fußende Anlagestrategien untersucht hat. Insgesamt verwalteten die Strategien zum 30. April 2026 ein Vermögen von rund 169 Milliarden US-Dollar.
Wachsender Markt
"Weil der Markt wächst und sich zunehmend institutionalisiert, müssen Anleger über Etiketten hinausblicken", erklärt Michael Born, Analyst im Bereich Manager Research bei Morningstar. Es sei wichtig, genau zu verstehen, wie ein Fonds religiöse Grundsätze in Anlageentscheidungen umsetzt und was diese Entscheidungen für die Diversifizierung, das Risiko und die langfristige Wertentwicklung bedeuten. "Zwar gibt es Bestrebungen hin zu einer stärkeren Standardisierung innerhalb der Religionen, doch die Umsetzung variiert weiterhin je nach Region", so Born.
So verlagerten etwa europäische glaubensbasierte Fonds ihr Engagement aufgrund einer stärkeren ESG-Integration weg vom Energiesektor und hin zu Wachstumswerten. Bei entsprechenden US-Fonds sei hingegen weiterhin ein erhebliches Engagement in den Bereichen Energie und Verteidigung zu beobachten. Scharia-Fonds wiederum seien strukturell im Finanzsektor unter- und im Technologiesektor übergewichtet, während christlich orientierte Sondervermögen im Gesundheitswesen deutlich untergewichtet sind.
Im Schnitt geringere Rendite und höhere Kosten
"Auf Fondsebene blieben glaubensbasierte Produkte im Vergleich zu nicht-religiösen Pendants um durchschnittlich rund ein Prozent pro Jahr hinter diesen zurück, wobei vor allem christliche Fonds hinterherhinkten", sagt Born. Dies sei zum großen Teil auf strukturelle Sektorausrichtungen zurückzuführen. Umgekehrt seien religiös orientierte Fonds im Durchschnitt teurer als ihre nicht-glaubensbasierten Pendants. Dies liege an einem geringeren Wettbewerb, insbesondere durch passive Alternativen, die erst in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen haben.
Morningstar hat bereits 2011 mit der Erfassung von in Europa ansässigen islamischen Fonds begonnen. Im April 2026 hat die Ratingagentur Kennzeichnungen für auf religiösen Grundsätzen basierende Fonds in den USA eingeführt. Für die aktuelle Studie hat Morningstar das Universum religiös orientierter Fonds auf Asien und Afrika ausgeweitet. Die Kennzeichnungen sind seit Juli 2026 in den Morningstar-Produkten verfügbar. (am)















