Gefährliche Verflechtungen: So tief stecken Kryptos im Finanzsystem
Der Kryptomarkt wächst weiter – doch es bleibt unklar, wie stark Risiken aus dem kaum regulierten Sektor auf klassische Finanzmärkte übergreifen könnten. Neue Daten zeigen enge Verbindungen mit Banken, Aktien und institutionellen Anlegern.
Die Kryptomärkte haben in den vergangenen Jahren kräftig zugelegt. Der Boom wurde auch durch die kryptofreundliche Haltung der Regierung von US-Präsident Donald Trump befeuert, die die Akzeptanz des Sektors in Finanzinstitutionen erhöht hat, schreibt die Nachrichtenagentur "Reuters". Mit einer Gesamtbewertung von 3,2 Billionen US-Dollar und einem täglichen Handelsvolumen von rund 197 Milliarden Dollar bleibt der Markt dennoch nur ein kleiner Teil des globalen Finanzsystems, wie der Datenanbieter Coin Gecko schätzt.
Gleichzeitig bestehen weiterhin Sorgen unter Investoren und Aufsehern, ob mögliche Turbulenzen in der kaum regulierten Kryptobranche auf die breiteren Finanzmärkte überschwappen könnten.
Bitcoin verliert deutlich – Korrelation zu Aktienmärkten hoch
Bitcoin fiel in der vergangenen Woche erstmals seit April unter die Marke von 90.000 Dollar. Innerhalb von sechs Wochen wurden rund 1,2 Billionen Dollar an Marktkapitalisierung aus dem gesamten Kryptomarkt gelöscht.
Die größte Kryptowährung bewegt sich in der Regel im Gleichlauf mit der allgemeinen Risikobereitschaft. Die Ein-Monats-Korrelation zum S&P-500-Index lag zuletzt bei 0,84 – dem höchsten Wert seit sechs Wochen, wie aus Daten des Informationsdienstes LSEG hervorgeht.
Stablecoins: Hohe Abhängigkeit von US-Staatsanleihen
Stablecoins sind an reale Währungen – meist den US-Dollar – gekoppelt. Emittenten halten entsprechende Reserven und versichern, dass Anleger ihre Token jederzeit gegen Dollar tauschen können. Experten für Finanzstabilität warnen laut "Reuters" jedoch davor, dass ein Ansturm auf Rückzahlungen zu einem Run auf die Reserven führen könnte. Dies würde Banken treffen, bei denen die Gelder liegen, oder die Vermögenswerte, in die die Emittenten investieren.
Der Markt wird von Tether dominiert. Das in El Salvador ansässige Unternehmen hält rund 181 Milliarden Dollar an Reserven, davon 112 Milliarden Dollar in US-Staatsanleihen. Konkurrent Circle besitzt 24 Milliarden Dollar in US-Treasuries.
Krypto-Aktien gewinnen – bleiben aber Nischenphänomen
Im Jahr 2025 sind Aktien aus dem Kryptobereich stark gestiegen, und immer mehr Firmen gehen an die Börse. Dennoch bleiben reine Krypto-Unternehmen ein sehr kleiner Teil des Gesamtmarkts, heißt es in dem Bericht. Die Marktkapitalisierung von Aktien aus den Kategorien "Blockchain und Kryptowährung" sowie "Krypto-Mining" liegt bei 225 Milliarden Dollar – lediglich 1,8 Prozent des globalen Aktienmarkts, zeigen LSEG-Daten.
Nicht berücksichtigt sind sogenannte "Crypto Treasury"-Unternehmen, deren Geschäftsmodell allein im Halten von Kryptowährungen besteht. Während darunter große Player wie Strategy sind, wurden 2025 zahlreiche Penny-Stocks von Krypto-Investoren übernommen, um auf steigende Bitcoin-Preise zu setzen.
Der britischen Großbank Standard Chartered zufolge führt ein Bitcoin-Preis unter 90.000 Dollar dazu, dass die Hälfte der Unternehmen in diesem Segment Bitcoins in ihren Bilanzen hat, die weniger wert sind als der Anschaffungspreis. Von den 173 neuen US-Börsengängen im Jahr 2025 entfielen nur vier auf Krypto-Unternehmen. Gemeinsam nahmen sie 1,2 Milliarden Dollar ein – rund 3,3 Prozent der gesamten IPO-Erlöse.
Bankensektor: Kleine, aber zunehmende Krypto-Verflechtungen
Banken haben Berührungspunkte mit dem Kryptomarkt, indem sie Kunden aus dem Sektor bedienen, Stablecoin-Reserven halten oder Verwahrdienste anbieten. Einige kleinere Institute spezialisieren sich auf Krypto – was Risiken konzentriert. Das zeigte sich 2023, als die US-Bank Silvergate Capital nach hohen Mittelabflüssen zusammenbrach. US-Regulatoren haben Banken 2024 den Zugang zu Krypto-Dienstleistungen erleichtert, was laut "Reuters" Druck auf Aufseher in anderen Ländern ausübt, ihre Haltung zu überdenken.
Daten zum tatsächlichen Exposure sind rar. Die Europäische Zentralbank (EZB) schätzte im Mai, dass bedeutende Institute im Euroraum 2024 Krypto-Vermögenswerte im Wert von 4,7 Milliarden Euro verwahrten – nach 400 Millionen Euro im Vorjahr. Laut dem Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht belief sich das aufsichtsrechtliche Krypto-Exposure im zweiten Halbjahr 2024 auf 5,9 Milliarden Euro.
ETFs treiben institutionelle Nachfrage
Die Entscheidung amerikanischer Aufseher im Januar 2024, Bitcoin-ETFs zuzulassen, löste eine neue Welle institutioneller Käufer aus – darunter Staatsfonds und Pensionskassen. Die Zahl der Anlageprodukte weltweit ist laut Morningstar-Daten von 104 im Jahr 2021 auf 367 im Jahr 2025 gestiegen.
Mit 222,3 Milliarden Dollar verwaltetem Vermögen bleiben Krypto-ETPs jedoch ein kleines Segment: Nicht-Krypto-ETPs kommen zusammen auf 17,4 Billionen Dollar. (mb)















