Kreditnehmer merken es deutlich: Seit die Notenbanken das Ende der Negativ- oder Nullzinsjahre eingeleitet haben, steigen die Zinsen, die man für's Geldleihen zahlen muss, enorm an. Umgekehrt sind die Verhältnisse trister: Die Zinsen, die man für Einlagen bei der Bank erhält, steigen deutlich langsamer als die Kreditzinsen, wie es in einer Aussendung der Plattform Durchblicker heißt.

Wer sein Geld auf die Bank legt, bekomme momentan sehr unterschiedliche Konditionen geboten. Kreditinstitute, die auf Spareinlagen spezialisiert sind, hätten schneller reagiert, heißt es. Für täglich fälliges Geld liegen die Zinsen aktuell bei einer weiten Spanne zwischen 0,01 bis 0,75 Prozent. Zwischen 1,03 bis 2,80 Prozent fix gibt es laut den Angaben für Spareinlagen mit einer Bindung von drei Jahren, 1,15 bis 3,00 Prozent für fünf Jahre Bindung.

Bessere Konditionen abwarten
Wer an Festgeld denkt, sollte sein Kapital momentan noch nicht, oder jedenfalls nicht zu lang binden. Im steigenden Zinsumfeld sei es besser, die Konditionen in den kommenden Monaten zu vergleichen, heißt es: "Man kommt – anders als beim Tagesgeld – bis zum Ende der Laufzeit nicht an das Geld ohne etwaige Strafgebühren und Zinsverlust heran. Bei steigenden Zinsen hat man daher auch keine Möglichkeit, das Geld in eine höher verzinste Anlage umzuschichten", sagt Martin Spona, Leiter des Bereichs Consumer Finance.

Eine Ausnahme könne Bausparen sein. Einige dieser Institute bieten laut Durchblicker Sonderkonditionen, wo es bis Jahresende bis zu drei Prozent fix für die ersten zwölf Monate gibt und bis zu 4,7 Prozent variable Verzinsung für die restliche Laufzeit. Allerdings ist zu erwähnen, dass auch bei dieser Verzinsung real immer noch ein Minus herauskommt. Die Inflation dürfte 2022 bei gut acht Prozent liegen und im kommenden Jahr bei knapp sieben Prozent (Prognose IHS).

Zinsen werden trotzdem als attraktiv erachtet
Psychologisch interessant ist, dass nach etlichen Jahren entlang des Nullzinses die Einleger von der Optik der hohen nominalen Zinsen offenbar beeindruckt sind. Ungeachtet der Rekordinflation halten 20 Prozent der Österreicher Zinsen von bis zu drei Prozent bereits wieder für attraktiv. Bis zu vier Prozent Zinsen halten schon 37 Prozent für interessant, 59 Prozent wären es bei bis zu fünf Prozent.

Gleichzeitig gibt es ohnehin kaum einen Ausweg. Viele Österreicher haben das Gefühl, sie müssen gerade angesichts der unsicheren Zeiten wieder mehr sparen. Obwohl in vielen Haushalten das Budget immer knapper wird, wollen laut der Durchblicker-Befragung mehr als die Hälfte der Teilnehmer in den nächsten Monaten zumindest gleich viel Geld sparen wie bisher. Sechs Prozent wollen sogar mehr zur Seite legen.

Sparen bleibt wichtig
In einer anderen Befragung durch Imas im Auftrag der Erste Bank sagen gut drei Viertel der Österreicher, nämlich 77 Prozent, dass Sparen für sie sehr oder ziemlich wichtig sei. Demnach ist der durchschnittliche monatliche Sparbetrag nach Pandemieausbruch 2020 stark auf 344 Euro angestiegen, weil die Leute weniger konsumieren konnten. Heuer geht er auf 301 Euro zurück und liegt damit wieder im üblichen Rahmen der vergangenen zehn Jahre. Dementsprechend sinkt angesichts des verminderten Betrags die Zufriedenheit mit der eigenen Sparleistung. Waren 2021 noch 65 Prozent sehr oder ziemlich zufrieden mit der auf die Seite gelegten Summe, sind dies heuer nur noch 50 Prozent. Der Wunsch, ein Absicherungspolster aufzubauen, ist also sehr deutlich zu merken. 

Zu erwähnen ist, dass die kürzlich vorgestellten Zahlen der Erste Bank schon im Juni und Juli erhoben wurden. Da die Inflationsdynamik sich verschärft hat, könnte in der Zwischenzeit auch das Sparverhalten eine Wende genommen haben. (eml)