Wer die Fondsstatistiken aufmerksam verfolgt, dem fällt seit einiger Zeit auf, dass in Österreich jedes Jahr ein, zwei Anbieter einer gewissen Struktur namens Euveca dazu kommen. Was sich dahinter verbirgt, ist selbst vielen Fondsprofis ein Rätsel. Nicht einmal die Euveca-Verwalter selbst hängen den Begriff groß in die Auslage, wie sie sagen. Vom Sinn der Sache sind sie jedoch überzeugt, wie sie es in einem Artikel heißt, der in der aktuellen Printausgabe von FONDS professionell erschienen ist.

Normierter Risikokapitalfonds
Euveca (European Venture Capital Funds) sind speziell normierte Risikokapitalfonds, die einer EU-Verordnung aus dem Jahr 2013 entspringen. Das Ziel: Mehr Investorengeld soll in die Gründungsphase kleiner, vorwiegend technologieorientierter Unternehmen fließen, die hohes Wachstumspotenzial haben. Beobachter sehen darin einen wichtigen Schritt für die Wettbewerbsfähigkeit der 23 Millionen KMU in der EU.

Dank einer Regulatorik, die gegenüber dem gewöhnlichen Alternativen Investmentfonds (AIF) deutlich reduziert ist, sollen Geldgeber und Unternehmen leichter zusammenfinden. Investoren einen EU-weiten Standard für den unübersichtlichen Wagniskapitalmarkt. Das Euveca-Label zeigt genau an, was drin ist: Zum Beispiel müssen 70 Prozent des Kapitals in gewisse geeignete Unternehmen (etwa junge innovative KMU) investiert werden. Hebelfinanzierung ist verboten – der Fonds darf nur ausgeben, was die Anleger zusagen.

Verordnung kurz und knackig
"Die Euveca-Verordnung ist verglichen mit der AIFM-Regulierung kurz und knackig. Man braucht keine Konzession, eine Registrierung reicht. Und es gibt ein EU-Passporting. Es ist eine sehr europäische Struktur", sagt Stefan Haubner, Founding Partner bei Apex. Das Wiener Deep-Tech-Investmentunternehmen arbeitet gerade an seinem dritten Euveca, der 2021 starten soll.

Allerdings ist trotz dieser europäischen Dimension der hiesige Markt noch sehr klein. 2015 gab es drei österreichische Euveca-Verwalter, derzeit sind es neun. Sie managen laut FMA in elf Fonds ein Volumen (NAV) von 119 Millionen Euro. Indes ist das von außen kommende Angebot höher: 120 ausländische Euveca sind hierzulande zum Vertrieb zugelassen – doppelt so viele wie 2017.

Profis und "andere Anleger"
Euveca richten sich an professionelle Kunden, dürfen aber per Gesetz auch an "andere Anleger" vertrieben werden, sofern diese mindestens 100.000 Euro investieren. Hier besteht eine deutliche Ausnahme vom strengen AIFM-Gesetz. Dieses untersagt eigentlich die Vermarktung an Private (genau so wie übrigens den grenzüberschreitenden Vertrieb), wenn ein Anbieter nur registriert und nicht konzessioniert ist.

Tatsächlich sind es in Österreich besonders häufig vermögende Privatpersonen, die sich an einem Euveca beteiligen – oft selbst Start-up-Gründer, die einen Sinn für Chancen und Risiken haben. Versicherungen oder Pensionskassen gelten hingegen als zurückhaltend. Deutsche Pensionskassen seien da viel aktiver, so Haubner.

Begriff weitgehend unbekannt
Ein Manko ist, dass man mit dem Begriff bisher kaum werben kann. "Es ist ein großer Fortschritt, dass man solche Produkte mit Bestätigung der nationalen Aufsicht EU-weit vertreiben kann. Das Problem ist, bis zu 90 Prozent der Family Offices ­können mit Euveca nichts anfangen!, sagt Lukas Euler-Rolle, Geschäftsführer VMS. Der Wiener Restrukturierungsprofi hatte 1999 und 2007 in zwei Fonds sanierungsbedürftige Unternehmen zum Erfolg geführt. 2018 entschied sich das Management für einen Euveca, der allerdings soeben eingestellt wurde. Für kleinere Volumina seien die Kosten zu hoch, sagt Euler-Rolle.

Er geht jedoch davon aus, dass künftig wegen der Corona-Pandemie deutlich mehr Risikokapital benötigt wird: "Der Staat wird nicht alle Unternehmen retten. Viele haben gute Geschäftsmodelle und geraten nur durch Unterkapitalisierung in Schwierigkeiten," sagt er. (eml)


Den gesamten Artikel lesen Abonnenten in der Printausgabe 3/2020 von FONDS professionell oder hier im E-Magazin.