Eine solide Eigenkapitalausstattung ist wesentlich, um Unternehmen durch Krisen zu tragen. Das wurde zuletzt angesichts der Corona-Pandemie deutlich. Um die Widerstandsfähigkeit der heimischen Unternehmen zu erhöhen, will Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) nun das Eigenkapital dem Fremdkapital steuerrechtlich gleichstellen. Damit wird eine langjährige Forderung der Wirtschaft erfüllt.

Durch die Gleichbehandlung soll die Eigenkapitalquote der Firmen durchschnittlich um zwei Prozentpunkte auf bis zu 38 Prozent steigen, wie Blümel am Dienstag erklärte. Unternehmen können Zinsen für Fremdkapital derzeit steuerlich absetzen, ähnliches soll künftig auch für Eigenkapital möglich sein. Im Rahmen einer "fiktiven Eigenkapitalverzinsung" wird ein Zinssatz angenommen, der bei den Unternehmenssteuern dann in Abzug gebracht werden kann.

Hoher Fremdkapitalanteil in Österreich
Österreichs Unternehmen hätten im internationalen Vergleich einen hohen Fremdkapitalanteil, so die Direktorin Eco Austria, Monika Köppl-Turyna. Das Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital sei hierzulande rund doppelt so hoch wie etwa in Schweden oder der Schweiz.

Die Maßnahme koste zwischen 0,5 und einer Milliarde Euro. Auf der anderen Seite würde durch den  positiven Anreiz das BIP um bis zu 0,4 Prozent steigen, wie es in einer Aussendung heißt. Es werden 50.000 zusätzliche Arbeitsplätze erwartet.

Befürworter und Gegner
Die Sparte Bank und Versicherung in der Wirtschaftskammer begrüßte den Vorschlag. Die Arbeiterkammer (AK) so wie das sozialliberalen Momentum-Institut üben hingegen Kritik. Es würden große Unternehmen mit guter Eigenkapitalausstattung Steuersubventionen erhalten. Die AK stellte auch die Kosten infrage. Mutmaßlich werde der 3-Monats-Euribor als Basis herangezogen. Wenn mittelfristig der Euribor wieder ansteigt, würde die Kosten explodieren. (eml)