Das britische Parlament hat am Mittwoch zum zweiten Mal mit einer überwältigenden Mehrheit gegen Theresa Mays Brexit-Deal gestimmt. Damit ist die Wahrscheinlichkeit für einen chaotischen und unkontrollierten Brexit weiter gestiegen, sagt Stefan Kreuzkamp, Chefanlagestratege bei der DWS. Eine Verlängerung des Artikel 50 könnte dieses Szenario zwar noch abwenden. "Es ist in den vergangenen Wochen aber immer fragwürdiger geworden, unter welchen Bedingungen die Europäische Union einem solchen Antrag zustimmen könnte", sagt Kreuzkamp.

Die Briten sind dabei, sich in eine Sackgasse zu manövrieren, mahnt der Ökonom. Europa werde zunehmend ungeduldiger. "Der britische Verhandlungspoker im Verbund mit politischem Chaos riskiert, ein Ergebnis zu liefern, das nur relativ wenige Wähler jemals wollten", sagt Kreuzkamp. Seit langem ist klar, dass es in allen großen Parteien eine Mehrheit für einen wesentlich weicheren Brexit-Deal geben würde. Den Prozess jetzt noch in diese Richtung zu lenken, dürfte sich allerdings als schwierig erweisen.

Briten stehen hinter May
Trotz der jüngsten historischen Niederlage scheint May jedoch entschlossener denn je zu sein, diesen Pfad weiter zu gehen. Die britische Bevölkerung hat sie jedenfalls auf ihrer Seite. Der Großteil der Briten hat sich in Umfragen gegen einen No-Deal-Brexit ausgesprochen. "Nicht in der Ablehnung, sondern in der Zustimmung liegt also das Dilemma", fasst Kreuzkamp zusammen. Dennoch sollten sich Investoren gedanklich schon mal auf das schlimmste Szenario einstellen. (fp)