Die niederländische Finanzaufsicht AMF beanstandet bei 46 von rund 100 holländischen Impact-Fonds einen fehlenden ESG-Fokus oder einen Mangel an Details zu den Nachhaltigkeitsauswirkungen ihrer Investments. Darauf weist der Branchendienst "Responsible Investor" hin.

Die Aufseher aus Amsterdam nahmen mehr als 1.250 niederländische Fonds mit Blick auf ihre Einstufung gemäß EU-Offenlegungsverordnung unter die Lupe. 35 Prozent dieser Sondervermögen hatten die Anbieter gemäß Artikel 8 der seit März geltenden Verordnung eingestuft, weil sie eine nachhaltige Anlagestrategie verfolgen. Acht Prozent – etwa 100 Fonds – fallen unter Artikel 9, der für Produkte reserviert ist, die ein dezidiertes Nachhaltigkeitsziel ("Impact") verfolgen.

Wecken die Anbieter mitunter falsche Erwartungen?
Bei 46 dieser Impact-Fonds taten sich nach Angaben der Aufseher "Fragezeichen" auf. Um welche Produkte es konkret geht, verriet die Behörde nicht. Die AMF stört sich daran, dass sich viele Sondervermögen nicht nur auf Nachhaltigkeit konzentrieren, sondern offensichtlich deutlich breitere Anlageziele verfolgen. Die Einstufung gemäß Artikel 9 der Offenlegungsverordnung könne bei den Investoren daher falsche Erwartungen wecken. Außerdem bemängeln die Aufseher, dass die Offenlegung der Nachhaltigkeitsauswirkungen häufig nur generell erfolge und nicht fondsspezifisch.

Aktuell müssen die Fondsmanager nur allgemein erläutern, wie sie mit Nachhaltigkeitsrisiken umgehen und wie sie ESG-Faktoren in ihren Investmentprozess integrieren. Ab Juli 2022 ist allerdings eine deutlich detaillierte Offenlegung vorgesehen. Dann müssen die Anbieter für ihre Artikel-9-Produkte zahlreiche Details veröffentlichen, bis hin zu Angaben darüber, welchen Einfluss ihre Investmententscheidungen auf Faktoren wie die Menschrechte oder den Kampf gegen die Korruption haben.

Noch keine formelle Untersuchung eingeleitet
"Vorerst werden wir unsere Ergebnisse nur mit den niederländischen Fondsanbietern teilen und keine formellen Schritte einleiten", zitiert "Responsible Investor" einen AMF-Sprecher. "Wir erwarten allerdings, dass die Asset Manager ihre Schlüsse aus unserer Untersuchung ziehen, ihre veröffentlichten Informationen wo nötig anpassen und ihre Produkteinstufungen nach der Offenlegungsverordnung noch einmal überprüfen." (bm)