Wenn man die Werbebotschaften der Banken verfolgt, fällt auf, dass in den vergangenen Monaten ein Produkt besonders ins Licht gerückt wurde: Der Fondssparplan. Das merkt man wieder anlässlich des nahenden Weltspartags. Vom (zinslosen) Sparbuch ist mittlerweile bei kaum einen Institut mehr die Rede. Dagegen wird den Kleinanlegern die regelmäßige Investition in kleine Fondsanteile schmackhaft gemacht.

Auch der Fachverband der Finanzdienstleister kann dem Trend einiges abgewinnen. Obwohl ein Fondssparplan dem Einmalerlag nicht in jeder Situation überlegen ist, habe er gerade bei vorsichtigen Anlegern seine Realitätstauglichkeit unter Beweis gestellt. Das sagten Hannes Dolzer, Obmann des Fachverbands der Finanzdienstleister und Martin Kwauka, Initiator des Finanzjournalistenforums, bei einem Termin in Wien.

6,7 Prozent Rendite
Laut einer Aufstellung des deutschen Fondsverbands BVI erwirtschafteten die im Nachbarland verkauften Sparpläne in den vergangenen zehn Jahren im Segment "weltweiter Aktien-Mix" eine Rendite von jährlich durchschnittlich 6,7 Prozent (nach Ausgabeaufschlag). Zahlen für Österreich existieren nicht, wie Martin Kwauka, Initiator des Finanzjournalistenforums bedauert.

Generell gilt: Sparpläne weisen höhere Renditen auf, wenn es anfangs zu Kursrückgängen kommt und die Kurse gegen Ende des Beobachtungszeitraumes wieder steigen, erklärt Kwauka. Steigen die Kurse dagegen zuerst an und geben gegen Ende wieder nach, sind Einmalerläge tendenziell besser. Dies könnte im Moment ein Argument für Anleger sein, die an Rücksetzer glauben. Allerdings sollten solche Timing-Überlegungen gerade bei Sparplänen weniger eine Rolle spielen.

Cost-Average-Effekt: Durchschnitt statt Timing
Insbesondere schont ein Fondssparplan nämlich gegenüber dem Einmalerlag die Nerven genau deshalb, weil das Timing zur Nebensache wird: Durch die Einzahlung monatlicher Beträge rückt der Preis zum Einstiegszeitpunkt in den Hintergrund. Genau so werden etwaige Kursschwankungen unter der Laufzeit geglättet.

Die konsequent gleichmäßige Einzahlung bedeutet außerdem, dass bei tiefen Kursen automatisch mehr Anteile erworben werden, was die Performance bei einer Erholung anschiebt: Der Anleger könnte auf diese Weise letztendlich von einem Börsencrash profitieren. In vielen Fällen folgen Privatanleger ja genau der umgekehrten Logik: Sie kaufen am Hoch und verlieren am Tief die Geduld. Der Durchschnittskosteneffekt erleichtert es hingegen vielen, trotz Turbulenzen länger dabei zu bleiben.

Natürlich seien Aktiensparpläne nicht für jeden geeignet, so Dolzer. Auch hier gilt – wie generell – dass für ein Aktieninvestment idealerweise ein Rahmen von zehn Jahren angepeilt werden sollte. Geld, das man für eine Investition braucht und das daher nicht von Marktschwankungen betroffen sein soll, sollte nach wie vor entsprechend konservativ angelegt werden.

Mehr Bewusstsein
Allerdings müssten sich klassische Sparbuchsparer mehr vergegenwärtigen, dass es selbst im Tiefzinsumfeld auch für sie Möglichkeiten gibt, das Geld für sich arbeiten zu lassen, so die beiden Experten. "Wer sein gesamtes Geld 25 Jahre lang zu null Prozent anlegt, hätte bei zwei Prozent Jahresinflation am Ende 40 Prozent des realen Geldwertes vernichtet", veranschaulicht Dolzer die Situation am Sparbuch. Im Jahr 2018 legten die Österreicher einen Betrag von 17,8 Milliarden Euro an frischem Geld auf täglich fällige Konten – netto.

Die Auswirkung der Inflation sei den wenigsten klar, auch deshalb, weil es in Österreich an Finanzbildung mangle, so Dolzer. In der Folge neigen selbst konservativere Anleger dazu, auf windige kurzfristige Renditeversprechen hereinzufallen, während die meisten über die seriösen und langfristigen Möglichkeiten kaum aufgeklärt sind. "Der Weltspartag sollte ein Anlass sein, sich zu überlegen, was man gegen den Kaufkraftverlust tun kann", sagt Dolzer. (eml)