Mit einem Plus von 13,7 Prozent im abgelaufenen Jahr hat der von der Dortmunder Apano Investments gemanagte Apano Global Systematik in punkto Wertentwicklung sowohl seine Vergleichsgruppe als auch seine Benchmark klar abgehängt. Über das dahinter stehende Konzept haben wir mit Markus Sievers, Geschäftsführer von Apano Investments, gesprochen, der als Co-Fondsmanager gemeinsam mit Martin Garske auch die Entwicklung des Apano HI Strategie 1 verantwortet.


Herr Sievers, Sie bezeichnen den Apano Global Systematik als "Aktienfonds für vorsichtige Investoren", bei Morningstar wird der Fonds allerdings als global anlegender flexibler Mischfonds geführt. Was stimmt denn nun?

Markus Sievers: Der Apano Global Systematik hat das Primärziel, die Chancen globaler Aktienmärkte zu nutzen. Allerdings wollen wir unsere Investoren vor den zeitweise heftigen Abwärtsbewegungen dieser Assetklasse möglichst schützen. Das erfordert ein sehr aktives Risikomanagement und die Freiheit, bei schlechtem Marktumfeld den Investitionsgrad massiv abzusenken und in sichere Häfen wie insbesondere Cash zu investieren. Fonds mit einem ausgeprägt flexiblen Investitionsgrad sind für Datenanbieter schwierig zu kategorisieren. Denn es wird nicht unterschieden, ob die Quote, die nicht in Aktien investiert ist, nur taktisch oder strategisch in anderen Assetklassen liegt und ob außer Kasse noch andere Alternativen wie Rohstoffe oder Renten genutzt werden. Da wird man dann in Schubladen gepackt, die nicht immer passend beschreiben, was wirklich passiert. Wir sind da übrigens in guter Gesellschaft, zum Beispiel wird der Multiple Opportunties von Flossbach mit zumeist ebenfalls hoher Aktienquote auch als flexibler Mischfonds gelistet.

Der Fonds hat sich im vergangenen Jahr nicht nur in den Abwärtsphasen, sondern auch in Aufwärtsphasen vergleichsweise gut geschlagen. Vor kurzem erhielt er dafür die maximal möglichen fünf Sterne von Morningstar. Worauf führen Sie den Erfolg zurück?

Sievers: Offen gesprochen hat sich der Fonds aus unserer Sicht nicht einfach nur "vergleichsweise gut geschlagen". Wir liegen für 2020 mit 13,7 Prozent im Plus, der Durchschnitt des Genres "Mischfonds flexibel" liegt laut Morningstar bei gerade mal plus 2,1 Prozent, der MSCI ACWI bei plus 4,6 Prozent. Wir hatten während des Corona-Crashs am Tiefpunkt einen Maximalverlust von 15,9 Prozent, Weltaktien gingen temporär um über 30 Prozent zurück, der DAX verlor fast 40 Prozent. Zudem gehörten wir schon im August zu einer kleinen Gruppe von nur 14 globalen Aktienfonds, die schon wieder über den Jahreshochs vom Februar lagen. Das ist uns so gut gelungen, weil wir das Corona Risiko sehr früh erkannt haben. Bereits am 16. Januar war uns das Thema aufgefallen, am 27. Januar haben wir es bereits als potenziellen "schwarzen Schwan" kommuniziert. Damit waren wir damals so ziemlich die Ersten und Einzigen in der deutschen Medienlandschaft, die vor dem Coronavirus gewarnt haben. Wir waren aber nicht nur im Abwärtsmarkt gut …

… inwiefern?

Sievers: Weil wir auch in der anschließenden Erholungsbewegung punkten konnten. Die "Bazookas" von Regierungen und Notenbanken haben wir als starke Argumente gewertet, und sind am 27. März wieder in Aktien eingestiegen. Und selbst die Renaissance der Zykliker haben wir mehrfach im Sommer kommuniziert und bei der Allokation im Fonds berücksichtigt. Das alles hat 2020 zu einer Top-Performance geführt. Wir haben schon seit Monaten gute Bewertungen bei verschiedenen Datenanbietern und mittlerweile auch sechs Sterne bei Mountain View, die ja auch Ihr Verlag veröffentlicht. Seit Dezember haben wir nun auch die Fünf-Sterne-Bewertung bei Morningstar und gehören dort aktuell über ein Jahr zu den besten fünf Prozent unseres Fondssegments, auf drei Jahre zu den besten zehn Prozent.

Macht sich der Erfolg denn auch beim vergleichsweise immer noch geringen Fondsvolumen bemerkbar?

Sievers: Alle haben mal klein angefangen. Der Fonds wurde mit seinem aus meiner Sicht einzigartigen Konzept aus innerer Überzeugung auf den Weg gebracht. Von daher kann es kaum verwundern, dass wir in den letzten Monaten durchaus Interesse und ein steigendes Volumen registrieren. Das verwaltete Vermögen hat sich 2020 verdoppelt, und wir verzeichnen kontinuierlich Mittelzuflüsse. Noch ist der Fonds klein, das stimmt, aber mit weiterhin starker Performance werden wir in den kommenden Monaten weiter Vertrauen gewinnen und dynamisch wachsen, da bin ich mir sicher.

Sie sprechen von einem "Wertsicherungskonzept", das gut funktioniert hat. Was genau steckt dahinter?

Sievers: Das Wertsicherungskonzept verbirgt sich in dem Namensteil "Systematik". Wir befassen uns seit weit über 20 Jahren mit Managed Futures und Trendfolgesystemen. Mit diesen Erfahrungen im Gepäck haben wir 2012 unseren Apano-Stimmungsindex entwickelt. Dieser beinhaltet insgesamt 17 Märkte beziehungsweise Indizes, die den globalen Takt vorgeben. In einem ersten Schritt werden diese Märkte durch Markttechnik bewertet und das Ergebnis mittels einer gewichteten Matrix saldiert. Daraus lässt sich für jeden Tag aufs Neue ein globales Anlegersentiment bestimmen, das in eines von vier möglichen Stimmungszuständen fällt — von optimistisch bis pessimistisch. Das ist zunächst ein völlig emotionsfreier Prozess ohne Ermessensspielraum. Zur Interpretation nutzen wir die relevanten globalen Medien, insbesondere die der Wirtschaftspresse. Unser Wertsicherungssystem basiert also auf einem festen systematischen Regelwerk, ergänzt um die Komponente "Interpretation". Im Grunde also das Beste aus beiden Welten.

In welcher Hinsicht muss mit Störungen in Bezug auf eine weitere Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten gerechnet werden?

Sievers: Aktuell sehe ich das so, dass alle auf derselben Seite des Bootes sitzen. Alle setzen darauf, dass der Impfstoff wirkt und dass der Spuk im Herbst vorbei sein wird. Alle erwarten ein gutes Aktienjahr, wofür es natürlich auch fundamental gute Gründe gibt, nicht zuletzt das Niedrigzinsumfeld und das viele Geld aus Konjunkturhilfen. Meine persönliche Börsenerfahrung lehrt mich aber, nie zu sicher zu sein. Gefahren sind doch reichlich vorhanden. Ein mutierendes aggressiver und gefährlicher werdendes Virus, auf das die neuen Impfstoffe nicht ansprechen etwa oder hohe Nebenwirkungen und in Folge dessen eine mangelnde Akzeptanz bei den derzeit zugelassenen Vakzinen. Neue Handelsstreitigkeiten der USA mit China, Konflikte mit Russland, neue Nuklearmächte wie Nordkorea und Iran, viele Konflikte sind ungelöst. Eines aber bleibt als Konstante: Wir gehen jeden Tag ohne vorgefertigte Meinung in unsere systematische Marktmessung und interpretieren und begründen diese. Dann schauen wir, ob Anpassungen notwendig sind, und dann werden die gemacht.

Wir danken für das Gespräch. (hh)