Das Zukunftsdepot könnte tatsächlich kommen. Was vor wenigen Monaten noch wie eine jener ­unverbindlichen ­Absichtserklärungen klang, an denen es in der ­österreichischen Vorsorgepolitik wahrlich nicht mangelt, nimmt ­konkrete Formen an. Für Kinder, die ab 2027 geboren werden, soll der Staat 500 Euro Startkapital bereitstellen. Im ­Doppelbudget 2027/28 sind dafür bereits 40 Millionen Euro vorgesehen. Das ist zunächst eine gute Nachricht. Denn damit vollzieht die Bundesregierung jenen Paradigmenwechsel, den Österreich seit Jahren braucht: Der Kapitalmarkt wird nicht mehr primär als Risiko betrachtet, vor dem Sparer geschützt werden ­müssen, sondern als Instrument für einen langfristigen Vermögensaufbau.

Noch vor wenigen Monaten war davon wenig zu sehen. Im Regie­rungsprogramm fehlte ein klares Bekenntnis zur Stärkung der dritten Säule. Lediglich die vage "Evaluierung von Möglichkeiten zur Vorsorge für junge Menschen auch für Wertpapiere" verhieß Hoffnung. Nach zahlreichen nicht umgesetz­ten Ankündigungen vergangener Regierungen war ­Skepsis angebracht. Umso erfreulicher ist die Bewegung. Aber ein Zukunft­­sdepot ist noch lange kein gutes Zukunftsdepot.

Entscheidend ist die Ausgestaltung. An erster Stelle muss Wahl­freiheit stehen. Das Depot darf nicht an einzelne Anbieter oder ­bestimmte Produkte gebunden werden. Eltern müssen zwischen ­Anbietern wählen und in Fonds, ETFs, Aktien und andere geeignete Kapitalmarktinstrumente investieren können. Der Staat sollte den steuerlichen Rahmen schaffen – nicht die Anlageentscheidung treffen. Ebenso wichtig: keine Kapitalgarantie. Österreich hat mit seiner Fixierung auf Garantien genügend Erfahrung ­gesa­mmelt. Garan­tien klingen politisch attraktiv, kosten bei ­einem Anla­ge­horizont von 18 Jahren aber vor allem ­Rendite. ­Gerade die lange Laufzeit bietet ideale Voraussetzungen für ­eine hohe Kapitalmarktquote und breite Diversifikation. 

Und ­warum sollte der Gedanke mit dem 18. ­Geburtstag enden? Das Zukunfts­depot kann ein sinnvoller Einstieg sein. Die eigentliche Heraus­for­derung ist aber größer: Österreich fehlt weiterhin ein attraktives ­kapitalmarktorientiertes Vorsorgemodell für die gesamte Bevöl­ke­rung. Andere Länder sind längst weiter. Auch Deutschland ­arbeitet an einem Altersvorsorgedepot. Österreich muss das Rad daher nicht neu erfinden. Das Zukunftsdepot sollte von ­Beginn an so konzipiert werden, dass daraus später ein echtes Vorsorgedepot für Erwachsene werden kann – mit steuerlicher Begünstigung, breiter Produktauswahl und ohne Garantiezwang.

Nach Jahren des politischen Zauderns könnte das Zukunfts­depot damit mehr als ein neues Fördermodell sein. Es könnte der Einstieg in eine andere Vorsorgepolitik werden. Die Richtung stimmt. Jetzt muss die Regierung aus einem guten Ansatz auch ein gutes System machen.