"Die Performance in der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Erträge." An solche Sätze hat sich die Finanzbranche längst gewöhnt. Auch daran, dass die letzte Seite einer Präsentation stets dem Disclaimer vorbehalten ist. Doch manchmal lässt der Compliance-Wahnsinn auch langjährige Branchenbeobachter stutzen.

Das jüngste Beispiel kommt von der Deutschen Asset Management, der Fondstochter der Deutschen Bank. Der "CIO View Spezial zur Bundestagswahl" bringt auf zwei Seiten eine Einschätzung, was der Wahlausgang für die Kapitalmärkte bedeuten könnte – gefolgt von sage und schreibe fünf Seiten mit "Risikohinweisen". Einige Leckerbissen:

  • "Diese Publikation enthält zukunftsgerichtete Elemente. Diese zukunftsgerichteten Elemente schließen u.a., jedoch nicht ausschließlich, Schätzungen, Projizierungen, Ansichten, Modelle und hypothetische Leistungsanalysen ein."
  • "Dieses Dokument ist nicht das Ergebnis von Finanzanalyse/Research. Die 'Richtlinien zur Sicherstellung der Unabhängigkeit der Finanzanalyse' der Schweizerischen Bankiervereinigung finden auf die vorstehenden Darstellungen daher keine Anwendung."
  • "Anlagen in Immobilien, die keine Wertentwicklung erzielen, könnten substantielle Ausarbeitungsverhandlungen und/oder Restrukturierung erfordern."
  • "Zusätzliche Risiken die beachtet werden müssen, umfassen Zinssatz-, Währungs-, Kredit-, politische, Liquiditäts-, Zeitwerts-, Rohstoff- und Marktrisiken. Bitte wägen Sie jegliche Risiken vorsichtig ab, bevor Sie eine Anlage tätigen."

Die Deutsche Bank hatte im Februar Medienberichten zufolge angekündigt, in diesem Jahr 600 zusätzliche Compliance-Experten anstellen zu wollen, nachdem die entsprechende Abteilung bereits 2016 um 350 Stellen ausgebaut worden war. Mag sein, dass die Bank und ihre Tochterfirmen es besonders genau nehmen wollen mit der Regeltreue, und angesichts der Milliardenstrafen für die Sünden der Vergangenheit ist das auch verständlich. Doch das Phänomen ist nicht nur typisch für die Deutsche Bank, sondern für die gesamte Branche.

Eigentlich ist es billig, sich über Compliance-Worthülsen lustig zu machen. Das wahre Problem ist ein anderes: Aus Angst vor Fehlern, befördert durch eine teils kontraproduktive Regulierung, zwängt sich fast die gesamte Branche in ein enges Korsett. Der eigentliche Verlierer ist der Endkunde, der eine offene, ehrliche Beratung bräuchte, stattdessen aber mit einer so chancen- wie risikolosen Standardlösung abgespeist wird.

Der Autor dieser Zeilen geht übrigens ein gewisses Risiko ein. Im Abbinder der E-Mail, mit der der "CIO View" verschickt wurde, heißt es nämlich: "Any unauthorized copying, disclosure or distribution of the material in this e-mail is strictly forbidden."