Wer mit Vertriebsleuten von Fondsanbietern spricht, hört dieser Tage oft diesen Satz: "Nachhaltigkeit ist Teil unserer DNA!" Die hauseigenen Analysten würden ESG-Aspekte schon seit Jahren in Unternehmensgesprächen erörtern und die Fondsmanager nur Firmen ins Portfolio aufnehmen, die ein wirklich nachhaltiges Geschäftsmodell verfolgen. Bleibt der Gesprächspartner skeptisch, fällt vielleicht ein Hinweis auf das klimaneutrale Büro des Asset Managers – oder auf die hohe Elektroautoquote unter den Dienstwagen.

Dass sich die Anbieter unbedingt als Nachhaltigkeitsspezialisten darstellen wollen, hat einen einfachen Grund: Die Nachfrage nach entsprechenden Fonds steigt rasant. Doch wie "grün" ist ein Asset Manager wirklich? Um dafür zumindest ein Gespür zu bekommen, hat FONDS professionell wichtige ESG-Daten Dutzender Investmenthäuser zusammengetragen – die Ergebnisse finden Sie hier oder in der aktuellen Ausgabe 3/2020 ab Seite 210. Wer bereits seit 20 Jahren Ökofonds anbietet, sich in Nachhaltigkeitsinitiativen engagiert und viele ESG-Analysten beschäftigt, darf zu Recht mit breiter Brust auftreten.

Doch auch anderen Anbietern ist zuzutrauen, das Thema ernst zu nehmen. Das erfährt man aber nicht durch Gespräche mit Vertriebsleuten, sondern nur im Dialog mit Portfoliomanagern. Und zwar nicht mit denen, die einen neuen SDG- oder ­Impact-Fonds steuern, sondern mit den Kapitänen der Flaggschiffe. Erst wenn sie gemerkt haben, dass ein "Weiter so" sie vom Kurs abbringt, ist Nachhaltigkeit wirklich in der Branche angekommen.