Die seit Anfang des Jahres bestehende Weiterbildungsverpflichtung für Vermögensberater, Versicherungsmakler und -agenten ist nicht nur lästig, sondern sorgt bei den Betroffenen auch für Verunsicherung. Bis kurz vor Redaktionsschluss der Heftaugabe lag der Lehrplan für gewerbliche Vermögensberater immer noch zur Begutachtung im Wirtschaftsministerium – übrigens zusammen mit den Standesregeln für Versicherungsmakler und -agenten.

Insider vermuten, dass die Verzögerung auf ein Ringen um die künftige Ausbildungsherrschaft zurückzuführen ist. Auslöser dafür ist der Umstand, dass Versicherungen und Wertpapierfirmen in Zukunft aller Voraussicht nach nur noch die Hälfte der Weiterbildung selbst durchführen dürfen, die andere Hälfte muss bei unabhängigen Bildungsinstituten absolviert werden. Wie "unabhängig" in diesem Zusammengang genau zu verstehen ist, dürfte in der Diskussion wohl der Knackpunkt sein. Dieser Lehrplan ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die betroffenen Berater hinsichtlich ihrer Weiterbildungsmaßnahmen alles richtig machen. Angesichts der aktuellen politischen Situation könnte sich die Veröffentlichung des Lehrplans und der Standesregeln nochmals deutlich in die Länge ziehen. 

Die Verzögerung wäre grundsätzlich zu akzeptieren, bestünde die Weiterbildungsverpflichtung nicht bereits seit 1.1. 2019. Berater sind nun in der Situation, einerseits innerhalb des laufenden Jahres ihre ­Verpflichtung zu erfüllen, parallel aber darauf warten zu müssen, bis alle offenen Fragen endgültig geklärt sind. Einfach einmal abzuwarten, ist dabei keine Option, weil sowohl die Gewerbebehörde als auch die FMA bei Prüfungen den Nachweis der absolvierten Weiterbildungsstunden verlangen werden. Verschärft wird dieses Problem durch die Vorschrift, dass Vermögensberater auch die Weiterbildung ihre Mitarbeiter organisieren und nachweisen müssen, und zwar im selben zeitlichen Ausmaß, wie das für sie selbst gilt. 

Allein im Jahr 2018 hat die FMA bei vertraglich gebundenen Vermittlern und Wertpapiervermittlern 28 Vor-Ort Prüfungen durchgeführt. Diesen Prüfungen entgeht man übrigens auch mit einem eingeschränkten Gewerbe nicht. Die FMA darf laut Paragraf 272 Abs. 3 Versicherungsaufsichtsgesetz jederzeit auch Versicherungsvermittler vor Ort prüfen. Im schlimmsten Fall muss dann bei Nichterfüllung der Weiterbildungsverpflichtung mit einem Entzug der Gewerbeberechtigung durch die Gewerbebehörde beziehungsweise mit einer Verwaltungsstrafe gerechnet werden. Es ist nun Aufgabe der Standesvertreter, die Interessen ihrer Mitglieder zu wahren. Diese müssen die Chance haben, ihrer Weiterbildungsverpflichtung nachzukommen, ohne befürchten zu müssen, Zeit und Geld in Schulungen zu investieren, die dann nicht anerkannt werden.