In manchen Kommentaren wurde in den letzten Wochen die Befürchtung geäußert, dass das Thema Klimawandel angesichts der Pandemie quasi in Vergessenheit geraten könnte. Davon ist nicht auszugehen, denn infolge der staatlichen Interventionen beim „Wiederaufbau“ der Konjunktur wird die politische Einflussnahme in den kommenden Monaten und Jahren in vielen Bereichen der Wirtschaft zunehmen. Und mit großer Wahrscheinlichkeit wird dadurch der Themenblock „Nachhaltigkeit“ weiter an Bedeutung gewinnen. Bereits im aktuellen türkis-grünen Regierungsprogramm findet sich 25 Mal das Wort "green", und sollte es angesichts der aktuellen Krise doch noch zu einer Überarbeitung des Programms kommen, darf man davon ausgehen, dass es einen noch grüneren Anstrich bekommt. Künftige Konjunkturprogramme wird man sicher verstärkt mit Nachhaltigkeitszielen verknüpfen. Für dieses Jahr plant die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur bereits die Auflage von "Green Bonds", eine Kapitalertragsteuerbefreiung für nachhaltige Geldanlagen rückt in greifbare Nähe.

Für Finanzberater heißt dies, dass man diesen Trend nicht länger ignorieren darf. Auch wenn man die zum Teil berechtigten Zweifel an "grünen" Investments teilt, wird es künftig unmöglich sein, das Thema links liegen zu lassen. Selbst wenn man Kunden im Einzelfall davon abrät, ein solches Investment einzugehen, sollte dieser Rat auf solidem Faktenwissen und keinesfalls auf einem Bauchgefühl basieren. Klüger ist es ohnedies, diesen Megatrend als Chance zu nutzen, denn die Nachfrage in diesem Bereich steigt schon seit Jahren kontinuierlich. Laut jüngs­ten Zahlen des Forums Nachhaltige Geldanlagen sind Privatanleger hierzulande bereits mit mehr als 3,8 Milliarden Euro in diesem Bereich engagiert – Tendenz steigend. Allerdings löst die Vielzahl einschlägiger Veranlagungsmöglichkeiten einen hohen Informationsbedarf aus. Um sich in diesem Dickicht zurechtzufinden, benötigen Anleger künftig mehr denn je Berater – simple Onlinetools werden rasch an ihre Grenzen stoßen. Es wird also zusätzlicher Bedarf an qualifizierter Beratung entstehen. Ab dem Jahr 2021 wird die Frage nach der Nachhaltigkeitspräferenz des Kunden zudem zwingend in den Mifid-Eignungstest aufgenommen. Allerspätestens dann sollten Finanzprofis über das notwendige Wissen verfügen. Noch ist genug Zeit, sich eingehender mit dem Thema zu beschäftigen und gegebenenfalls entsprechende Aus- und Weiterbildungsangebote wahrzunehmen – auch um künftige Haftungsrisiken bei der Beratung zu minimieren. Einen ersten Überblick zum Thema liefert die aktuelle Heftausgabe 02/2020 von FONDS professionell, die in diesen Tagen an die Leser ausgeliefert wird.