Anspruchsvoller und praxisnäher soll die Prüfung zum gewerblichen Vermögensberater in Zukunft werden, zumindest wenn es nach den Verantwortlichen in der Wirtschaftskammer geht. Im Detail soll voraussichtlich ab 2023 ein höherer universitärer Standard bei den Prüfungen eingeführt werden, in Zukunft soll dann nach nationalem Qualifikationsrahmen (NQR) das Niveau der Stufe 6 bei Prüfungen gelten. Damit wäre man auf einem Level, das etwa auch bei hochschulischen Qualifikationen wie dem Bachelor verlangt wird. Ähnliche Ziele verfolgt man im Übrigen auch bei den Versicherungsmaklern und Agenten.

Innerhalb der Branche gibt es aber auch kritische Stimmen zu den Plänen der Standesvertreter. Die Kritiker vertreten – nicht zu Unrecht – den Standpunkt, dass schon die bisherigen Prüfungen einem hohen Standard entsprechen und parallel dazu die Weiterbildungsanforderungen in den vergangenen Jahren massiv gestiegen sind. Es wird befürchtet, dass eine weitere Anhebung der Prüfungsniveaus eine abschreckende Wirkung auf potenzielle Berufseinsteiger haben könnte, wodurch sich das demografische Problem in der Finanzberatung weiter verschärfen würde.

In der Diskussion über eine Anhebung der Qualifikation muss man die Frage stellen, ob wir in der aktuellen Situation damit ein Problem haben. Und die Antwort darauf lautet: nein. Wir sind nicht permanent mit Fällen unzureichender oder falscher Beratung konfrontiert. Die überwiegende Zahl der Privatanleger, die das Glück haben, persönlich betreut zu werden, investiert heute in streng regulierte Produkte und wird davor umfangreichst über deren Vor- und Nachteile aufgeklärt. Dafür sorgen die Beratung selbst, die Abwicklungs- und Produktpartner und schließlich auch noch die Aufsichtsbehörde. Handlungsbedarf bestünde allenfalls in einer teilweisen Zurücknahme der überbordenden bürokratischen Auflagen, die den Anlegerschutz sicherstellen sollen. Dafür ist die Wirtschaftskammer leider nicht zuständig.