Die britische Fondsgesellschaft M&G führt ein neues Gebührenmodell ein. An die Stelle einzelner Posten rückt künftig eine einheitliche Jahresgebühr, welche die meisten Auslagen abdeckt. Zudem gewähren die Briten bei Fonds mit einem Volumen ab einer Milliarde Pfund einen Rabatt. Der steigt, umso mehr das verwaltete Vermögen des Portfolios anschwillt. Die neue Tarifstruktur gilt allerdings bislang nur für die britischen Vehikel des Hauses. Wegen des Brexit-Umzugs der meisten M&G-Fonds nach Luxemburg kommen hierzulande nicht alle Anleger in den Genuss der Vereinheitlichung und der Rabatte – zumindest vorerst.

Dennoch stellt die Einführung eines neuen Gebührenmodells einen Schritt in die richtige Richtung dar. Denn die Fondsbranche sieht sich einem hinlänglich bekannten Dreiklang an Problemen gegenüber: Die Kosten steigen, die Gebühren sinken – auch wegen der verschärften Konkurrenz durch börsengehandelte Indexfonds (ETFs) – und Aufseher wie Verbraucherschützer beäugen kritisch das Preis-Leistungs-Verhältnis von Investmentfonds.

Im Detail bleiben Fragen
Auf diese Herausforderungen muss die Branche Antworten finden. Neue Gebührenmodelle wie das von M&G weisen den Weg. Denn ein einfacher, vereinheitlichter Tarif signalisiert gegenüber dem Endkunden Klarheit und Transparenz. Der "Mengenrabatt" für Fonds mit hohem Volumen wiederum beteiligt Anleger an den Skalenvorteilen, die sich durch die Größe ergeben.

Gewiss stellen sich im Detail noch immer genug Fragen: Führt die quasi als Pauschale berechnete Jahresgebühr für die Anleger tatsächlich zu einer besseren Planbarkeit der Kosten – und ist sie zugleich auch fair und angemessen? Spiegelt der Mengenrabatt in vollem Umfang die Ermäßigungen wider, die sich durch die Größe ergeben? Bringt ein Modell wie die Fulcrum Fee, bei dem die Gebühr je nach Erfolg des Fondsmanagers steigt – und auch wieder fällt – die Interessen von Anbieter und Kunde nicht besser in Einklang? Und sollte das Modell auf das Luxemburger Sortiment übertragen werden, stellt sich die Frage nach der Vertriebsprovision – die es in Großbritannien so nicht mehr gibt.

Immerhin der Versuch einer passenden Antwort
Ein weiterer Einwand: Da ginge noch mehr. Denn der Rabatt fällt mit 0,02 Prozentpunkten je Milliarde gering aus. Bei den kleineren Fonds führt die neue Jahresgebühr zu allenfalls homöopathischen Einsparungen. Bei einigen Portfolios ändert sich sogar gar nichts, wie M&G selbst klarstellt. So ist die neue Gebührenordnung, die M&G in Großbritannien einführt, sicherlich nicht die allumfassende, endgültige Lösung. Aber wie zuvor die Fulcrum Fee von Fidelity ist es ein Versuch, sich den Problemen zu stellen und passende Antworten zu finden.