In den nächsten Wochen könnte auf heimische Berater eine unerwartet arbeitsreiche Zeit zukommen. Denn langsam, aber doch starten die heimischen Depotbanken damit, allen Depotinhabern den sogenannten Ex-post-Kostenausweis per Post zuzustellen. Mifid II verlangt bekanntlich, die Kunden gleich zweifach über die Kosten aufzuklären. Vor der Vermittlung (ex ante) erhalten sie Informationen über sämtliche Kosten des Produkts inklu­sive Depotgebühren und Provisionen. Danach (ex post) muss Anlegern einmal im Jahr offengelegt werden, was sie ihr Investment tatsächlich gekostet hat.

In der Theorie hört sich das recht einfach an, in der Praxis ergeben sich allerdings Probleme: Zum ­einen kommt die Premiere des Kostendurchblicks für die Berater im Hinblick auf die Marktentwicklung zur Unzeit. Das vergangene Jahr war bekanntlich von deut­lichen Kursverlusten an den Börsen gekennzeichnet. Nur wenige risikoreichere Depots werden das Jahr 2018 daher mit ­einem positiven Vorzeichen beendet haben.

Dementsprechend hoch wird der Erklärungsbedarf gegenüber den Kunden sein, die erstmals aggregiert sehen, welche Kosten den Gewinnen beziehungsweise Verlusten gegenüberstehen. Zum anderen kommt erschwerend hinzu, dass sich die Depotbanken bis dato auf keinen einheitlichen Standard in der Darstellung verständigen konnten. Trotz Initiativen des Fachverbandes der Finanzdienstleister und der AFPA kochte jede Depotbank ihr eigenes Süppchen. Noch dazu wurden einige Detailfragen von der FMA bis zuletzt nicht geklärt, was die Durchsetzung ­einer standardisierten Darstellung nicht gerade erleichtert. Hat ein Kunde also mehrere Depots bei unterschiedlichen Banken, wird er mit völlig unterschiedlichen und bis zu 15 Seiten starken Kostenausweisen konfrontiert sein; das Chaos ist damit programmiert.

Vom eigentlichen Ziel, dem Endkunden auf einfache und verständliche Weise mehr Klarheit über die tatsächlichen Kosten seiner Veranlagung zu verschaffen, ist man damit jedenfalls weit entfernt. Leid­tragende werden am Ende die Haftungsdächer und deren Berater sein, die als letztes Glied der Kette die ­finale Verantwortung tragen. Berater sollten sich daher schon mal auf eine erhöhte Zahl von Kundenanrufen einstellen – und an die Depotbanken kann man nur appellieren, sich langfristig doch noch auf einen gemeinsamen Standard zu einigen.