Seit nunmehr fünf Jahren wird auf EU-Ebene am Pan-European Personal Pension Product (PEPP) gearbeitet. An der grundsätzlichen Idee eines Altersvorsorgeprodukts, das man im Fall einer Übersiedlung in ein anderes EU-Land "mitnehmen" kann, beziehungsweise dass man in einem anderen EU-Land steuerpflichtig wird, ist nichts auszusetzen. Aber obwohl schon sehr lang daran gearbeitet wird, weist das Konzept weiterhin eklatante Schwächen auf.

Diese wurden offenbar, nachdem Ende März die technischen Regulierungsstandards betreffend Informationsverpflichtungen, Kosten und Gebühren sowie Risikominderungsmaßnahmen veröffentlicht wurden. Sieht man sich die Details zur "Europarente" an, scheint es sehr unwahrscheinlich, dass zum vorgesehenen Start am 22. März 2022 tatsächlich entsprechende Angebote verfügbar sein werden. Die EU-Vorgaben zum Pepp sehen nicht aus, als ob Praktiker daran mitgearbeitet hätten. So wurde allem Anschein nach nicht daran gedacht, dass auch ein solches Produkt für Anbieter kaufmännisch sinnvoll sein muss.

Beim sogenannten Basis-PEPP wurden trotz einer Garantie, die zumindest das eingezahlte Kapital schützt, Verwaltungskosten und Provisionen auf insgesamt ein Prozent des angesparten Kapitals begrenzt. Ein solcher Kostenrahmen wäre schon in einem „normalen“ Zinsumfeld schwer einzuhalten; in einer Welt, in der risikoarme Veranlagungen sogar nominell ­negative Renditen aufweisen, ist ein solches Konzept für potenzielle Anbieter wenig attraktiv.

Sollte sich doch jemand – vielleicht in der Hoffnung auf Cross-Selling-Potenziale – dafür erwärmen, muss man befürchten, dass der Vertrieb nicht mitspielen wird. Das Konzept sieht eine obligatorische Beratung vor, die Kosten dafür müssen aber auch innerhalb des Ein-Prozent-Rahmens bleiben. Wohl aus diesem Grund ist ausdrücklich auch eine digitale Beratung vorgesehen – Alexa, schließ für mich eine Europa-Rente ab! Man darf gespannt sein, wie die ­Gerichte mit den zu erwartenden Beschwerden ­wegen Fehlberatung umgehen.