Bis zur Zinswende in Europa wird es noch einige Zeit dauern, sagt Christian Nemeth, Chief Investment Officer der Zürcher Kantonalbank. Die Europäische Zentralbank (EZB) hält eisern an ihrer ultralockeren Geldpolitik fest. Dabei geben die Wirtschaftsdaten schon lange eine neue Richtung vor: Die Wirtschaft in der Eurozone ist im vergangenen Jahr mit 2,5 Prozent so stark gewachsen wie seit zehn Jahren nicht mehr. Die Arbeitslosenquote ist seit fünf Jahren rückläufig, die Beschäftigung mittlerweile deutlich über Vorkrisenniveau.

Vieles deutet darauf hin, dass die Eurozone ihren konjunkturellen Höhepunkt bereits hinter sich hat. Nemeth sieht das Risiko, dass die EZB im laufenden Zyklus die Zinsen nur leicht anheben kann und dadurch in der nächsten Rezession kaum Handlungsspielraum hat. "Falls das Wirtschaftswachstum nicht mitspielen sollte, würde die EZB im Krisenmodus bleiben, die Anleihekäufe im großen Stil fortsetzen und die zunächst für die zweite Hälfte des Jahres 2019 erwartete Zinserhöhung auf 2020 verschieben", so der Stratege.

Keine Angst vorm Bärenmarkt
Global gesehen geht Nemeth weiterhin von einer moderat positiven Entwicklung an den Finanzmärkten aus. Die Volatilität der vergangenen Wochen sieht er nicht als Beginn eines Bärenmarktes, sondern allenfalls als Bewertungskorrektur. "Die gute Verfassung der Weltwirtschaft, nicht zuletzt dank den USA, spricht gegen eine solche Entwicklung", sagt er. Der Anlageprofi ist zuversichtlich, dass sich die Lage an den Märkten zum Jahresende hin wieder bessert. (fp)