Donald Trump und die USA haben den Handelskonflikt vorerst für sich entschieden. Die amerikanische Wirtschaft zeigt sich in bester Stimmung, wie an den jüngsten Quartalszahlen abzulesen ist, und auch der Dollar konnte zuletzt wieder zulegen. In Europa entwickelt sich die Konjunktur aber ebenfalls in die richtige Richtung, und durch das Handelsabkommen gibt es immerhin wieder Planungssicherheit, so Mark Dowding, Anleihenchef bei RBC Bluebay Asset Management.

Zolleinnahmen dämpfen US-Haushaltsdefizit
"Unsere Analyse kommt zu dem Schluss, dass die USA den durchschnittlichen Zollsatz weltweit auf etwa 18 Prozent angehoben haben", sagt Dowding. Unter dieser Annahme prognostizieren die RBC-Bluebay-AM-Analysten annualisierte US-Zolleinnahmen von rund 450 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 1,25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entspricht. "Diese Einnahmen dürften dazu beitragen, das US-Haushaltsdefizit im kommenden Jahr leicht unter sieben Prozent des BIP zu senken", so Dowding.

Noch wichtiger ist für ihn jedoch, dass der Abschluss des Handelsabkommens zusammen mit der Verabschiedung des US-Haushalts dazu beigetragen hat, die extreme politische Unsicherheit zu verringern, die noch vor wenigen Monaten das Vertrauen der Unternehmen und der Verbraucherinnen und Verbraucher belastet hatte. Marktbeobachter sehen die Konjunkturentwicklung in den USA wieder deutlich optimistischer.

Dollar könnte kurzfristig zulegen
Beim Dollar unterscheidet Dowding zwischen kurz- und langfristiger Perspektive: "Kurzfristig könnte der Dollar sogar noch weiter zulegen, wenn Investoren ihre Positionen in Erwartung einer anhaltenden Abwertung des Dollar auflösen", so der Rentenexperte. Mittelfristig könnte sich der Trend zu einem schwächeren Dollar allerdings fortsetzen, wenn die US-Geldpolitik lockerer wird.

Mit Blick auf die EU sagt Dowding, diese habe eine Vereinbarung geschlossen, die mit den meisten anderen Handelspartnern der USA vergleichbar ist: Die relative Wettbewerbsfähigkeit gegenüber der Konkurrenz in den USA verändere sich daher nicht. Dowding ist grundsätzlich zuversichtlich: "Der europäische Binnenmarkt entwickelt sich in die richtige Richtung und sollte davon profitieren, dass die von Trump verursachte Unsicherheit im Handel mit Europa auf absehbare Zeit beigelegt worden ist." (jh)