Der Vermögensverwalter Ethenea erwartet nicht, dass die Zentralbanken in der aktuellen Situation viel für die Unterstützung der Kapitalmärkte tun werden. "Der Zauberkasten der Notenbanken, der in den letzten 13 Jahren so schöne Dienste für nahezu alle Anlageklassen geleistet hat, wird auf absehbare Zeit erstmal im Schrank bleiben müssen", sagt Christian Schmitt, Senior Portfolio Manager bei Ethenea. So oder so steht also eine Zinswende bevor. Deren negative Auswirkungen auf die Märkte hält Schmitt aber ebenfalls für überschätzt. Für großzügige Hilfen wie in der Vergangenheit gibt es beispielsweise in den USA, wo neben hoher Inflation auch Vollbeschäftigung herrscht, einfach keine Begründung mehr. Er rechnet daher deshalb damit, dass Marktteilnehmer Rücksetzer an den Kapitalmärkten künftig wieder selbst verarbeiten müssen. 

"Aktuell kann man durchaus von einer Zeitenwende an den Kapitalmärkten sprechen", sagt Schmitt.  Nach der Finanzkrise waren sichere Kurserholungen zur Regel geworden, erklärt er. "Kein Problem schien mehr ernsthaft zur Bedrohung werden zu können, denn alle verließen sich darauf, dass die Notenbanken es im Zweifel schon richten und die Kurse wieder nach oben bringen würden." Nun hat sich die Inflation auf deutlich über zwei Prozent eingependelt. Die Notenbanken haben gleichzeitig nicht mehr die Befugnisse, mit Sondermaßnahmen einzugreifen.

Die Anlagewelt hat sich grundlegend verändert
Nach der Finanzkrise von 2008 sind Fiskal- und Geldpolitik gefährlich eng zusammengewachsen.  Anleger haben sie so an den sogenannten "Fed-Put" gewöhnt und darauf verlassen, dass die Notenbanken in Krisenzeiten die Märkte mit Sondermaßnahmen stabilisieren. "Eigentlich gilt eine Staatsfinanzierung durch Notenbanken als Tabu", sagt Schmitt, "doch unter dem Deckmantel der Preisstabilität geschah es trotzdem." Jetzt folgt mit der Zins- eine Zeitenwende. (fp)