Das Jahr startet bald in sein letztes Quartal und steht pünktlich dazu am Beginn eines neuen Konjunkturzyklus – das glaubt zumindest Paul Jackson, Leiter des Bereich Asset Allocation Research bei der Investmentgesellschaft Invesco. "Wir rechnen mit einem Wachstumspfad, der irgendwo zwischen einer traditionellen Erholung und dem Aufschwung nach der globalen Finanzkrise liegt. Die künftige Entwicklung der Weltwirtschaft bleibt aber mit erheblichen Unsicherheiten behaftet", sagt er.

Im dritten Quartal hatte sich die Wirtschaft wieder ein wenig von der durch die Coronakrise ausgelösten Rezession erholt. Jegliche weitere Erholung werde weniger dynamisch erfolgen. "Kurzfristig hohe Zugewinne sind nach den jüngsten Kurssteigerungen an den Märkten nur schwer vorstellbar", sagt Jackson. 

Logistikimmobilien im Aufwind
In diesem Umfeld lohnt sich laut dem Experten ein Investment in zyklische Anlagewerte, allen voran in Hochzinsanleihen und Immobilien. Zwar rechnet man bei Invesco auch mit einer Erholung der Unternehmensgewinne und Dividenden. Die Strategen vermuten aber, dass die Märkte diese bereits weitgehend eingepreist haben, und sehen daher nur begrenztes Aufwärtspotenzial für die breiten Aktienindizes in den nächsten zwölf Monaten.

"Die Immobilienrenditen hingegen haben bereits viele schlechte Nachrichten eingepreist. Immobilien sind weiterhin so konservativ bewertet wie kaum eine andere Anlageklasse", sagt Jackson. Logistikimmobilien für Onlinehändler könnten in Folge der Krise gefragter denn je sein. "Selbst wenn sich die Ausschüttungen weniger kräftig erholen sollten als bei Aktien, dürfte das erwartete Wachstum in Verbindung mit den relativ großzügigen Renditen über einen Zwölfmonatszeitraum für höhere Erträge aus Immobilien als aus anderen Anlageklassen sorgen."

Kein Anfang, sondern ein Ende?
Was Hochzinsanleihen angeht, sind die Renditen zwar niedrig, die Risikoaufschläge gegenüber Staatsanleihen liegen aber im mittleren Bereich der historischen Spanne. Die Invesco-Experten gehen davon aus, dass die High-Yield-Renditen im Einklang mit den Staatsanleiherenditen steigen werden. Sie erwarten in der Folge leicht positive Anlageerträge, die höher ausfallen sollten als die Erträge aus Anlagen in Staatsanleihen und Investment-Grade-Unternehmensanleihen. Zugleich dürften allerdings auch die Ausfallraten von Ramschanleihen über den zyklischen Durchschnitt steigen.

Das einzige Risiko der Zwölf-Monats-Vorhersage von Jackson und Kollegen: "Es könnte sein, dass wir es vielleicht doch nicht mit einem neuen Konjunkturzyklus zu tun haben, sondern uns in der Endphase des vorhergehenden Zyklus befinden. In dem Fall könnte sich die durch Covid-19 ausgelöste Rezession lediglich als kurzes Zwischenspiel vor dem Beginn der eigentlichen Rezession erweisen", warnt der Stratege. (fp)