Der Kronberger Kreis, eine Gruppe renommierter Wirtschaftswissenschaftler, fordert dringende Reformen an der Währungsunion, um den Euro für künftige Krisen zu wappnen. Lars Feld, Wirtschaftsprofessor in Freiburg und Sprecher des Kronberger Kreises, sagt: "Ziel ist es, die Währungsunion widerstandsfähiger zu machen und das Vertrauen in den Euro zu stärken, das nicht zuletzt durch ausufernde Verschuldung in vielen EU-Staaten bedroht wird."

Steigende Staatsverschuldung erhöht die Systemrisiken
Die marktwirtschaftlich orientierten Wissenschaftler warnen insbesondere vor den Konsequenzen der rasch steigenden Staatsverschuldung. Bereits die Euro-Schuldenkrise der frühen 2010er Jahre und der Inflationsschock von 2022 hätten die Schwächen offengelegt. Eine stabile Währungsunion setze einen glaubwürdigen Ordnungsrahmen voraus, der Eigenverantwortung stärkt und Fehlanreize begrenzt. "Die Europäische Währungsunion verbindet eine supranationale Geldpolitik mit einer weitgehend nationalen Fiskalpolitik", heißt es in dem Bericht. Dieses institutionelle Gefüge könne dauerhaft jedoch nur funktionieren, wenn die jeweiligen Verantwortlichkeiten klar voneinander abgegrenzt sind und die Mitgliedstaaten tragfähige Staatsfinanzen gewährleisten.

Genau an diesen Voraussetzungen bestehen nach Meinung der Ökonomen zunehmend Zweifel. Im Mittelpunkt ihrer Forderungen stehen eine konsequentere Ausrichtung der Geldpolitik auf Preisstabilität, verbindlichere Fiskalregeln, ein glaubwürdiger Mechanismus für staatliche Umschuldungen sowie eine stärkere Eigenverantwortung der Mitgliedstaaten.

EZB nicht länger als Krisenmanager
Um die Europäische Währungsunion und den Euro langfristig stabiler und zukunftsfester zu machen, empfehlen sie unter anderem, dass Haftung, Entscheidung und Kontrolle in der Geld- und Fiskalpolitik stets auf derselben Ebene liegen sollten. Zudem fordern die Wissenschaftler, der Preisstabilität in der geldpolitischen Strategie wieder stärkeres Gewicht zu geben. Die quantitative Lockerung durch Bilanzausweitung sollte auf außergewöhnliche Krisensituationen beschränkt bleiben und anschließend zügig reduziert werden. Explizit fordern die Wissenschaftler auch, in der Zukunft auf Wertpapierkäufe zur Reduktion der Finanzierungskosten einzelner Mitgliedstaaten zu verzichten. Die EZB müsse aus der Rolle des Schuldenkrisenmanagers herausgeführt werden. (jh)