Zwei Forscherinnen der New Yorker Notenbank warnen vor einer möglichen Krise am Markt für Unternehmensanleihen. Wie die "NZZ am Sonntag" meldet, bereitet den Expertinnen die sinkende Qualität der Papiere Sorgen. Das Marktsegment von Bonds mit BBB-Rating ist massiv gewachsen, weil sich wegen der tiefen Zinsen immer mehr bonitätsschwache Unternehmen verschulden. Das Problem: Sinkt die Note dieser Firmenanleihen um nur eine weitere Stufe, werden sie als Ramschanleihen eingestuft.

Falls sich das Wirtschaftswachstum weiter verlangsamt, könnten Ratingagenturen massenweise BBB-Anleihen herabstufen, was deren Kurse unter Druck setzen würde. Zudem dürfen viele institutionelle Investoren keine Junkbonds im Portfolio haben. Sie wären also gezwungen, die Papiere massenhaft zu verkaufen, und würden die Kurse damit weiter belasten. Ein solcher Liquiditätsengpass im High-Yield-Segment könnte die Finanzmarktstabilität gefährden, befürchten Marktbeobachter.

Hohe Nettoverschuldung
Auch ohne Worst-Case-Szenario ist bei BBB-Bonds Vorsicht geboten. Die zwei New Yorker Forscherinnen weisen darauf hin, dass die Papiere sogar riskanter sind als Ramschanleihen – wenn man allein die Höhe der Nettoverschuldung betrachtet. Die liegt im Schnitt höher als bei Junkbonds. Dafür wurden Anleger zuletzt allerdings auch ordentlich entschädigt: Im vergangenen Jahr warfen BBB-Unternehmensanleihen in den USA satte 16 Prozent ab. (fp)