"Wir erleben Geschichte": "Big Short"-Star Burry warnt vor Tech-Crash
Michael Burry sieht die US-Technologiebörsen in einer gefährlichen Übertreibungsphase. Der Investor warnt vor einer Entwicklung wie kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase – besonders bei Chip-Aktien.
Michael Burry hat vor einer bevorstehenden drastischen Trendwende beim Nasdaq 100 gewarnt. Auslöser sei ein "parabolischer" Anstieg, der die Bewertungen von Technologieunternehmen auf ein nicht nachhaltiges Niveau getrieben habe.
Burry, der durch seine Wette gegen den US-Immobilienmarkt im Jahr 2008 bekannt und zur Filmlegende ("The Big Short") wurde, erklärte in einem Beitrag auf der Plattform "Substack", der Markt erinnere an den Höhepunkt der Dotcom-Blase kurz vor ihrem Platzen. Besonders verwies er auf den starken Anstieg von Chip-Aktien, durch den der Philadelphia Stock Exchange Semiconductor Index seit Ende März um fast 70 Prozent gestiegen ist.

Nach seiner Einschätzung wird der Nasdaq 100 aktuell mit dem 43-Fachen der Gewinne gehandelt und liegt damit deutlich über dem implizierten Niveau von rund dem 30-Fachen. Als Grund nannte er, dass "die Wall Street die Gewinne unserer am schnellsten wachsenden und am höchsten bewerteten Unternehmen möglicherweise um mehr als 50 Prozent überschätzt".
Wie "Szene eines blutigen Autounfalls"
"Wir erleben Geschichte. An der Börse ist das nichts Gutes", sagte Burry. Er verglich die Situation mit der "Szene eines blutigen Autounfalls, Minuten bevor er passiert".
Burry gehört zu mehreren Marktbeobachtern, die sich besorgt über die Kursrally äußern, die durch den Boom bei Ausgaben für künstliche Intelligenz von Alphabet, Amazon.com und anderen großen Technologieunternehmen ausgelöst wurde. Diese Entwicklung hat die Indizes auf Rekordstände getrieben, obwohl der Krieg der USA gegen den Iran sowohl das Wachstum bremsen als auch die Inflation durch steigende Ölpreise anheizen könnte.
Rally mit ungewöhnlicher Breite
Analysten von Sundial Capital Research unter Leitung von Jason Goepfert stellten fest, dass es erst das vierte Mal ist, dass der S&P 500 ein Rekordhoch erreicht, während nur fünf Prozent seiner Mitglieder auf einem 52-Wochen-Tief liegen. Dies unterstreiche die Breite der Rally. Daten der Bespoke Investment Group zeigen zudem, dass der Philadelphia Semiconductor Index nur zwei Mal zuvor so weit über seinem 200-Tage-Durchschnitt lag: im Juli 1995 und im März 2000 auf dem Höhepunkt der Internetblase.
Warnung vor Leerverkäufen
Burry riet davon ab, Aktien leerzuverkaufen, da Put-Optionen teuer seien und das Risiko bestehe, durch schlecht getimte Trades Verluste zu erleiden. "Selbst wenn es so aussieht, als wäre noch Luft nach oben, setzt jeder, der das Glück hat, diese parabolischen Kursbewegungen mitzunehmen und nicht verkauft, darauf, rechtzeitig am oder nahe dem Hoch auszusteigen", schrieb er.
"Die Geschichte zeigt uns, dass selbst wenn die Party noch eine Woche, einen Monat, drei Monate oder ein Jahr weitergeht, die Auflösung in deutlich niedrigeren Preisen bestehen wird", sagte er. "Wir bewegen uns in diese seltene Höhenluft – so extrem, dass die Konsequenzen unvermeidlich sein werden, egal wo man sich versteckt." (mb/Bloomberg)














