In den wenigen Tagen seit Monatsbeginn haben sich die Einschätzungen zur Auswirkung der Corona-Krise auf die Konjunktur dramatisch eingetrübt. War Anfang März vielfach noch von relativ moderaten Rückgängen die Rede, sind mittlerweile alle Prognosen tiefstrot. Das Institut für Höhere Studien erwartet nun einen Rückgang um zwei Prozent, das österreichische Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO geht davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2020 um 2,5 Prozent schrumpft – allerdings nur, wenn sich die Rahmenbedingungen im Sommer auch wieder normalisieren.

Der Einbruch der Konjunktur werde aus heutiger Sicht stark, aber kurz, so die WIFO-Experten in einer Aussendung. Spuren wird die Krise auch auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen. Zwar dürfte die Umstellung vieler Unternehmen auf Kurzarbeit dazu beitragen, dass die Effekte abgemildert werden. Die Arbeitslosenquote wird nach Einschätzung beider Institute im Jahresdurchschnitt 2020 auf 8,4 Prozent steigen. Das ist ein Plus von einem Prozentpunkt zum Vorjahr.

Finanzierungssaldo negativ 
Die Verbraucherpreisinflation dürfte – auch hier sind sich WIFO und IHS einig – bei schwachen 1,3 Prozent liegen. Hier machen sich der massive Ölpreisrückgang und die konjunkturelle Schwäche samt Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt bemerkbar. Eine hohe Last müssen die öffentlichen Haushalte aufgrund der bis zu 38 Milliarden Euro schweren Unterstützungsmaßnahmen und durch Steuerausfälle tragen. Laut WIFO steht ein Budgetdefizit von 5,5 Prozent des BIP ins Haus, das IHS geht von minus fünf Prozent aus.

Beide Institite betonen, dass alles von der weiteren Entwicklung der Maßnahmen und der Ausbreitung des Virus abhängen wird. Das WIFO legt zum Beispiel die Annahme zugrunde, dass sich die Verhältnisse in absehbarer Zeit normalisieren und dass es keine weiteren globalen Schocks gibt. Solche könnten etwa durch eine Verzögerung der Wirtschaftserholung im wichtigen Exportland Deutschland oder in den USA eintreten.

Entwicklung unklar
Die Zahlen basieren auf der Voraussetzung, dass die Betriebsschließungen und persönlichen Bewegungseinschränkungen bis Ende April aufrecht bleiben und im Mai allmählich wieder zurückgenommen werden. Derzeit gilt der "Shutdown" zwar nur bis Mitte April. Allerdings hat die Regierung bereits angekündigt, dass eine rasche Normalisierung nicht der Fall sein wird. Im grenzüberschreitenden Personenverkehr und im Freizeit-, Veranstaltungs- und Tourismusbetrieb dürfte es noch länger Einschränkungen gebe. 

Österreich, das in Europa nach Italien zu den ersten stark vom Corona-Virus betroffenen Ländern zählt, hat Mitte März einen weitgehenden Shutdown von Wirtschaft und Privatleben angeordnet. Damit soll die Ausbreitung des Erregers verlangsamt werden, der in China seinen Ausgang genommen hat. Auch in den meisten anderen Staaten rund um den Globus kommt die Wirtschaft zum Erliegen. (eml)