Wifo: Ölpreisschock bremst Österreichs Konjunkturerholung
Österreichs Konjunkturerholung gerät ins Stocken. Dies geht aus der Schnellschätzung des Wifo hervor. Das BIP stagnierte im zweiten Quartal, während die Industrieproduktion trotz schwacher Auftragseingänge zulegte. Der steigende Ölpreis erhöht zudem den Inflationsdruck.
Österreichs Wirtschaft kommt nach der zaghaften Erholung seit Anfang 2025 vorerst nicht vom Fleck. Laut Wifo-Schnellschätzung stagnierte das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal. Nach einem Wachstum von jeweils 0,2 Prozent in den beiden vorangegangenen Quartalen fiel damit der nächste Wachstumsschritt aus. Gegenüber dem Vorjahresquartal lag das BIP noch um 0,8 Prozent höher.
Belastend wirkte insbesondere der infolge des Iran-Krieges deutlich gestiegene Ölpreis. Höhere Energie- und Vorleistungskosten sowie die damit verbundene Unsicherheit belasteten Unternehmen und Haushalte und bremsten die konjunkturelle Dynamik.
Industrieproduktion steigt, Nachfrage bleibt schwach
Auf der Angebotsseite zeigt sich ein gemischtes Bild. Die Industrie stagnierte im zweiten Quartal, während sich der Rückgang im Bauwesen bereits das fünfte Quartal in Folge fortsetzte. Bei den Dienstleistungen verlief die Entwicklung uneinheitlich.
Zuletzt hellten sich wichtige Frühindikatoren jedoch wieder auf. Der Wifo-Konjunkturklimaindex verbesserte sich im Juli, und der Unicredit-Bank-Austria-Einkaufsmanagerindex signalisierte den fünften Monat in Folge eine Ausweitung der Industrieproduktion.
Die Belebung steht allerdings auf einer schmalen Basis. Der Teilindex für die Neuaufträge sank im Juli, die Exportaufträge erreichten sogar den niedrigsten Stand seit einem Jahr. Die höhere Produktion dürfte daher vor allem auf die Abarbeitung bestehender Auftragsrückstände und den vorsorglichen Aufbau von Materiallagern zurückzuführen sein – und weniger auf eine Belebung der Nachfrage.
Ölpreis erhöht Inflationsrisiken
Auch die Inflationsentwicklung gibt noch keinen Anlass für Entwarnung. Zwar ging die Verbraucherpreisinflation im Juli laut Statistik Austria auf 2,7 Prozent zurück, nachdem sie im Juni noch 3,2 Prozent betragen hatte. Ein wesentlicher Teil des Rückgangs ist allerdings auf die Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel zurückzuführen.
Die Kerninflation blieb mit 3,1 Prozent weiterhin erhöht. Gleichzeitig zogen die Energiepreise wieder etwas stärker an. Der jüngste Ölpreisanstieg könnte den Preisauftrieb daher über höhere Energie- und Produktionskosten erneut verstärken.
"Seit dem jüngsten Anstieg des Rohölpreises sind die Verkaufspreiserwartungen der Sachgütererzeugung wieder deutlich erhöht. Dies trübt die Aussicht auf eine Abschwächung des allgemeinen Preisauftriebs", sagt Wifo-Ökonom Christian Glocker.
Erholung bleibt fragil
Insgesamt bleibt die österreichische Konjunktur damit in einer schwierigen Phase. Die Verbesserung der Frühindikatoren und die steigende Industrieproduktion sprechen zwar für eine gewisse Stabilisierung. Rückläufige Auftragseingänge, die anhaltende Schwäche im Bau, der stagnierende Konsum und die weiterhin hohe Kerninflation sprechen jedoch gegen einen raschen und breit getragenen Aufschwung.
Für die kommenden Monate wird entscheidend sein, ob die Produktionsbelebung durch neue Aufträge und eine stärkere Nachfrage bestätigt wird. Gleichzeitig bleibt der Ölpreis ein wesentlicher Risikofaktor: Sollte er auf erhöhtem Niveau verharren, könnte die Kombination aus schwachem Wachstum und anhaltendem Preisdruck die österreichische Konjunkturerholung weiter ausbremsen. (fp)















