Die massive Beschränkung des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens infolge der Coronavirus-Pandemie zeigt heftige Auswirkungen. Nahezu alle Teile der Volkswirtschaft sind betroffen, und einige Branchen wie die Tourismus- und Freizeitindustrie sind besonders schwer erschüttert. Während darüber Einigkeit besteht, gibt es kein einheitliches Bild, wie sich die virale Krise in der Immobilienwirtschaft niederschlägt.

Kein Preissturz bei Wohnimmobilien?
"Der Wohnimmobilienmarkt wird relativ gut durch die aktuelle Krise kommen", meint Professor Michael Voigtländer vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). Es sei mit leicht sinken Kaufpreisen, aber nicht mit einem Einbruch zu rechnen.

Eine relevante Reduktion des Mietniveaus erscheine unwahrscheinlich, wie etwa die Erfahrung der vergangenen Wirtschaftskrise gezeigt hat. Allenfalls die zukünftigen Mietpreiserwartungen könnten infolge von Unternehmensinsolvenzen und steigender Arbeitslosigkeit zurückgehen, urteilen die IW-Immobilienexperten in ihrem kürzlich veröffentlichten Gutachten "Preiseffekte im Wohnungsmarkt aufgrund der Covid-19-Pandemie".


Das Interview mit Daniel Jelitzka lesen Sie in der FONDS professionell-Ausgabe 1/2020 ab Seite 164.


In der Analyse muss man die Immobiliensegmente auseinanderhalten und dabei insbesondere Gewerbe- und Wohnimmobilien getrennt betrachten. "Am härtesten hat es definitiv die Assetklasse Hotels getroffen, die im ersten Schritt vom Einstellen des Flugverkehrs und damit vom Ausbleiben der Hotelgäste und im zweiten Schritt von der behördlich angeordneten Schließung getroffen wurden", berichtet Daniel Jelitzka, Geschäftsführer von JP Immobilien in Wien. Vom neuerlichen Öffnen der Hotels bis zum Erreichen zufriedenstellender Belegungsraten – wie vor Corona – werde es noch viele Monate dauern. 

An dem "Lockdown" litten auch die meisten Handelsimmobilien, also sämtliche Einkaufscentren und Verkaufsflächen, die nicht systemkritisch sind wie zum Beispiel der Lebensmittelhandel. "Die Auswirkungen auf die Assetklassen Büro und Wohnen sind hingegen überschaubar beziehungsweise nahezu Null", so Jelitzka. Die weitere Entwicklung hänge zwar von der Dauer der Krise ab. Schon jetzt lasse sich aber der Trend erkennen, dass der Wohnsektor in der Corona-Krise "äußerst stabil“ sei. Investoren und Mieter fragen laut Jelitzka nach wie vor nach "attraktiven Wohnprojekten".

Bis zur Krise war der Markt intakt
Die JP Immobilien Gruppe ist im Wohnungs-, Hotel- und Büromarkt aktiv und hat seit 1996 mehr als 300 Immobilien vorwiegend in Wien entwickelt. Bis zur Coronakrise haben sich die Immobilienmärkte gut entwickelt, erklärt Jelitzka im ausführlichen Interview in der FONDS professionell-Ausgabe 1/2020. Bezogen auf das Hotelgeschäft sagt der Immobilienprofi: "Ich glaube, dass man sich um Wien keine Sorgen machen muss. Mir fällt keine deutsche Stadt ein, die so ein Tourismus-Karma hat wie Wien."

Handlungsbedarf sieht der promovierte Jurist Jelitzka allerdings im rechtlichen Bereich, insbesondere im Wohnungsbau. Er meint, dass die Bauvorschriften "entrümpelt" werden müssen, weil sie nicht mehr zeitgemäß seien und die Widmungs- und Bauverfahren bremsen. Mit marktgerechten Vorschriften ließe sich einfacher leistbarer Wohnraum schaffen – besser als mit einem Mietendeckel wie in der deutschen Bundeshauptstadt Berlin oder mit der in Wien eingeführten Immobilienwidmung "Geförderter Wohnbau". (ae)