Die Folgen der Corona-Pandemie treffen auch den Wiener Büromarkt: Bei der Vermietung von Büroflächen in der Bundeshauptstadt ist nach Einschätzung der Experten von Otto Immobilien heuer mit dem Verlust eines durchschnittlichen Quartals zu rechnen. Die Gesamtvermietung würde sich dadurch auf rund 130.000m² verringern, im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 200.000m². Dies geht aus einem Preview zum aktuellen Wiener Büro- und Investmentmarktbericht hevor, den Otto Immobilien als Gesamtausgabe am 16. April veröffentlicht.

"Zunächst war die weitverbreitete Sorge, dass alle laufenden und fast abgeschlossenen Projekte zur Gänze gecancelt oder verschoben werden. In den letzten zehn Tagen hat sich jedoch mehr Zuversicht eingestellt. Man hat sich mit den Umständen arrangiert und findet auch vertragliche Lösungen", berichtet Steven Bill Scheffler, Teamleiter Büroflächen bei Otto Immobilien. Einige Projekte im Frühstadium würden allerdings definitiv verschoben, so Scheffler.

Fast alle Projekte "on hold"
Am Büroinvestmentmarkt fallen die Auswirkungen der Corona-Krise im Vergleich zu anderen Assetklassen wie Hotel oder Retail weniger deutlich aus. "Zwar befinden sich fast alle Transaktionen aus operativen Gründen auf 'on hold', die meisten Investoren gehen aber von einer zeitlichen Befristung der Situation aus", berichtet Christoph Lukaschek, Leiter Investment bei Otto Immobilien. Zum vollständigen Abbruch von Transaktionen sei es bisher nur in absoluten Ausnahmefällen gekommen.

Das Investmentjahr 2020 war im ersten Quartal mit einem Gesamtumsatz von 410 Millionen Euro noch recht gut gestartet, ausgenommen im Bürobereich. "Bis das Transaktionsgeschäft Ende März durch die Corona-Krise vorläufig zum Erliegen kam, sehen wir für diesen Sektor im ersten Quartal 2020 Transaktionen in der Höhe von 79 Millionen Euro – dies ist ein Rückgang von 75 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres", so Lukaschek. Eine Ursache dafür sei in erster Linie eine Vielzahl von Transaktionen, die noch im Vorjahr abgeschlossen wurden.

Neubauleistung heuer stärker – Leerstandsquote konstant bei vier Prozent
Die Neubauleistung im Jahr 2020 wird laut Marktbericht mit 155.200 m² wieder stark zunehmen – nach einem Rekordtief im Vorjahr von 36.400 m². Von den neuen Flächen sind im ersten Quartal bereits rund 86.000 m² (55 %) vorvermietet beziehungsweise eigengenutzt und stehen nicht mehr zur Verfügung, berichtet Martin Denner, BSc Teamleiter Immobilien Research. Die Fertigstellungen heuer liegen in den Submärkten Wienerberg (Süden), Hauptbahnhof, Airportcity und Innere Bezirke (CBD).

So werden unter anderem die Bauteile 1 und 2 des Quartier Belvedere am Hauptbahnhof, sowie der Office Park 4 am Flughafen fertig. Am Wienerberg wird mit "The Brick" ebenfalls ein Projekt mit über 10.000 m² Bürofläche fertiggestellt. 2021 konzentrieren sich die Fertigstellungen auf den Submarkt Prater/Lassallestraße, wo in direkter Nähe zum Bahnhof Praterstern fast 70.000 m² Bürofläche generalsaniert werden. (gp)