Fortschritte bei künstlicher Intelligenz (KI) ebnen Fondsmanagern das Spielfeld. Boutique-Anbieter können dadurch leichter mit großen Makro- und Anleiheinvestoren konkurrieren. Das berichten fünf Manager, die zuletzt eigene Häuser gegründet haben.

KI übernimmt demnach viele Aufgaben, die früher Analystenteams erledigten: Sie wertet Reden in mehreren Sprachen aus, verarbeitet globale Inflationsdaten, prüft Unternehmensberichte und analysiert sogar den Ton von Investmentkomitees.

Technologie verändert die Ökonomie
"Technologie hat die wirtschaftlichen Voraussetzungen für den Aufbau einer Investmentfirma verändert", sagt Dharmesh Maniyar, promovierter Machine-Learning-Experte und Gründer von MQT Asset Management. KI ermögliche es fokussierten Boutiquen wie seiner, deutlich früher leistungsfähige Strukturen aufzubauen.

Makrofonds versuchen, die Folgen globaler wirtschaftlicher und politischer Veränderungen für verschiedene Märkte vorherzusehen. Dafür müssen enorme Mengen an Daten und Texten ausgewertet werden – ein Feld, für das große Sprachmodelle besonders geeignet sind. "Makromärkte sind komplexer, stärker von Politik beeinflusst und schneller geworden, während sich die Werkzeuge für Investmentmanager dramatisch verbessert haben", sagt Maniyar, der früher bei Brevan Howard und Tudor Investment tätig war.

Kleine Teams, große Reichweite
Der 2025 gestartete Hedgefonds Palinuro Capital von Alfonso Peccatiello arbeitet mit nur fünf Leuten, will aber mit Teams von 20 bis 50 Mitarbeitern konkurrieren. Große Sprachmodelle helfen, Reden von Notenbankern aus Ländern wie Ungarn oder Südkorea zu analysieren – Aufgaben, für die früher regionale Spezialisten nötig gewesen wären. KI sei im Grunde "wie eine Gruppe unvoreingenommener Analysten zu einem Bruchteil der Kosten", sagt Peccatiello.

Auch Anleiheboutiquen profitieren. Bei Osmosis dauert Research, das früher Wochen beanspruchte, nur noch Tage. Vorstandschef und Investmentchef Victor Verberk zufolge kann das junge Haus mit 15 Mitarbeitern rasch skalieren. KI habe seinen dreijährigen Einstellungsplan um 25 Prozent reduziert. "Die Maschine ist nie krank, sie macht nie Urlaub, sie ist immer da", sagt Verberk.

KI wird im Fondsmanagement Alltag
Im Fondsmanagement, das seit Jahrzehnten Machine Learning und algorithmischen Handel nutzt, verbreitet sich die neue Technologie schnell. Eine Barclays-Umfrage unter mehr als 400 Anleiheinvestoren ergab im Mai, dass die Hälfte der Long-only-Manager und die Mehrheit der Hedgefonds KI täglich nutzen – vor allem im Research. "Das deutet auf einen Markt hin, der wettbewerbsintensiver, demokratisierter und schneller wird", sagt Zornitsa Todorova, Leiterin thematisches FICC-Research bei Barclays.

Neben dem Research hilft KI auch beim Risikomanagement und bei Modellen. Palinuro nutzte während des Ölpreisschocks in diesem Jahr einen KI-Assistenten, um Dollar- und Rohstoffoptionen nach der günstigsten Absicherung zu durchsuchen. Alpha Curve Investments, ein 2025 gestarteter Anleihefonds mit nur vier Mitarbeitern, ließ Claude von Anthropic Verbraucherpreistrends auf Basis von Daten aus den USA, Europa, Australien, Brasilien und Kanada schätzen. Anschließend wurden 70 Prozent des 100 Millionen Pfund schweren Portfolios in kurzlaufende inflationsindexierte Anleihen umgeschichtet.

Vorteil für junge Anbieter
Eric Lonergan, der bei Calibrate Management einen neuen Discretionary Macro Fund mit mehr als einer Milliarde Dollar verwaltet, nutzt KI, um aus 100 globalen Anlagen zehn Handelsideen herauszufiltern – Arbeit, die früher "Heerscharen von Analysten" erledigt hätten.

Junge Firmen haben oft keine alten IT-Systeme, die neue Anwendungen erschweren. Verberk, der 16 Jahre bei Robeco Anleihestrategien verantwortete, hält es für kleine Anbieter für einfacher und günstiger, neue Technologie zu integrieren. Osmosis nutzt nur zwei Kernplattformen: Microsoft Azure und Bloomberg. "Angesichts des Tempos, mit dem sich KI verändert, muss man sehr kreativ und experimentierfreudig sein", sagt Lonergan.

KI gleicht vieles aus – aber nicht alles
Große Häuser dürften wegen ihrer finanziellen Mittel dennoch Vorteile behalten, sagt Ben Conway, Investmentchef von Hawksmoor Investment Management. Dharmesh Maniyar räumt ein, dass große Anbieter bei Kapital, Vertrieb und Breite weiter im Vorteil sind. Dennoch sei das Spielfeld interessanter geworden.

"Der Vorteil liegt darin, Datenresearch, KI, Portfoliokonstruktion, Ausführung und Risiko zu einem konsistenten Investmentprozess zu verbinden", sagt Maniyar. "Technologie hat die Infrastruktur definitiv demokratisiert, aber nicht die Fähigkeiten." (mb/Bloomberg)