Bill Harnisch glaubte nicht an die Börsenrally – und erzielte dennoch eine außergewöhnliche Performance. Während viele seiner Kollegen ihre Wetten über Big Tech und Makrotrades streuten, konzentrierte der New Yorker Hedgefondsmanager über 90 Prozent seines Long-Portfolios auf nur drei Aktien. Die Unternehmen bauen Stromleitungen und Glasfasernetze, die den Boom bei Künstlicher Intelligenz, Hochgeschwindigkeitsinternet und sauberer Energie ermöglichen.

Das Ergebnis: Sein 3,1 Milliarden US-Dollar schwerer Peconic-Partners-Fonds erzielte 2025 eine Rendite von 79 Prozent. Damit vervierfachte Harnisch die Wertentwicklung des S&P 500 und schlug dessen Performance zum fünften Mal in sechs Jahren.

Reines Stock-Picking – und kaum Makrovertrauen
Harnisch setzte auf "Pure Play Stock Picking": geringe Überzeugung beim Makro, hohe Überzeugung im Portfolio. Er hielt die Nettoaktienquote niedrig, äußerte große Unsicherheit über die Konjunktur – und lieferte dennoch eine der stärksten Hedgefonds-Performances des Jahres.

Quanta Services, Dycom Industries und MasTec stellen weder Chips noch Software her. Doch da die Nachfrage nach Strom und Datenbandbreite stark anstieg, gehörten sie 2025 zu den profitabelsten Infrastrukturtrades. "Ich habe nichts dagegen, die Nettoquote niedrig zu halten, und klinge da wie eine kaputte Schallplatte", sagte Harnisch, der seine Finanzkarriere 1968 begann. "Wenn Sie mich fragen, wo das BIP im nächsten Jahr stehen wird – ich könnte zehn verschiedene Geschichten erzählen. Ich habe keine Ahnung."

Drei Aktien mit mehr als 48 Prozent Plus seit Jahresbeginn 
Allein im November habe Peconic 20 Prozent gewonnen, während der breite Markt weitgehend stagnierte, so Harnisch.

  • Quanta, das laut der jüngsten Pflichtmeldung mehr als die Hälfte der Long-Positionen ausmacht, stieg im Monat über drei Prozent.
  • Dycom, ein Dienstleister für Telefon- und Kabelnetzbetreiber, gewann 26 Prozent.
  • MasTec, ein Bauunternehmen, legte fast fünf Prozent zu.

Seit Jahresbeginn sind alle drei Aktien um mehr als 48 Prozent gestiegen.

Skepsis für 2026
Für 2026 bleibt Harnisch vorsichtig und erwartet für den S&P 500 eine "Seitwärts- bis Abwärtsbewegung". Das steht im Gegensatz zu Wall-Street-Strategen, die laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur "Bloomberg" mit dem vierten positiven Aktienjahr in Folge rechnen.

Vergangenes Jahr hatte Harnischs Pessimismus allerdings geschadet: Peconic lag hinter dem S&P 500, vor allem wegen einer Absicherungs-Shortposition. Zu Jahresbeginn warnte Harnisch erneut, der Markt sei zu teuer und US-Präsident Donald Trumps Zollpläne könnten die globale Handelsordnung destabilisieren. Der S&P 500 fiel im April fast in einen Bärenmarkt, bevor er sich erholte – da Trump seine Rhetorik abschwächte und die Fed die Zinssenkungen fortsetzte.

Strategie: Wachstumstreiber und Schutz durch Shorts
Peconic, 2004 gegründet, investiert in Unternehmen, die langfristig schneller wachsen sollen als die Gesamtwirtschaft. Shortpositionen dienen entweder als Absicherung gegen Risiken im Kernportfolio oder als Möglichkeit, überbewertete Aktien auszunutzen.

Aktuell setzt der Fonds gegen Einzelhändler, da große Wettbewerber wie Walmart und Amazon aggressiver um Marktanteile kämpfen und der Konsum – insbesondere bei einkommensschwachen Haushalten – unter Inflation und schwächerem Arbeitsmarkt leidet.

Drei große Wetten – und ein Infrastrukturboom
Dass Harnisch drei große gleichzeitig laufende Wetten hält, ist ungewöhnlich. Grundlage ist seine Überzeugung, dass der Bedarf an Strom und Datenkapazität weiter steigt – und damit Unternehmen stärkt, die entsprechende Infrastruktur bauen.

"Wir haben noch längst nicht gesehen, wie viel KI beitragen kann. Aber eines wissen wir: Es wird viel mehr Daten geben. Es wird viel mehr Strom brauchen." Die Firmen, auf die er setzt, befänden sich "noch ganz am Anfang". (mb/Bloomberg)