"Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen", wusste schon Goethe. Der Satz gilt auch für Aktieninvestments – insbesondere, wenn man die performancestärksten Phasen wegen misslungener Timingversuche verpasst.

Sven Lehmann, Fondsmanager des HQT Global Quality Dividend, hat sich die Entwicklung des Dax seit dem Jahr 1965 angeschaut. Er berechnete, was mit perfektem Timing möglich gewesen und was passiert wäre, wenn der Anleger immer knapp danebengelegen hätte. Für seine Berechnungen auf Tagesbasis nahm er an, dass der Investor den Dax morgens ge- und abends verkauft hat. An Tagen, an denen der Anleger nicht investiert war, lag das Geld unverzinst unter der Matratze. Insgesamt umfasst die untersuchte Zeitspanne exakt 14.524 Handelstage.

Wie der Ertrag ausgesehen hätte, wenn man nur an den besten Tagen im Dax investiert gewesen wäre, zeigen die graugefärbten Säulen in der nachfolgenden Grafik. Wer an allen 250 performancestarken Tagen seit 1965 dabei war, hätte statt der durchschnittlichen Dax-Rendite von 6,1 Prozent pro Jahr satte 18,7 Prozent einstreichen können. Doch wehe, der fiktive Renditesucher hätte stets einen Tag zu früh oder zu spät investiert.

Nur einen Tag daneben führt ins Verderben

Quelle: HQ Trust

"Sehr langfristig orientierte Anleger konnten seit dem Jahr 1965 mit dem Dax eine Performance von 6,1 Prozent p.a. erzielen," hält Lehmann fest. "Den gleichen Ertrag hätten sie erreicht, wenn sie nur an den 55 besten Tagen seit 1965 in den Dax investiert waren. Das Problem dabei ist nur: Trifft der Investor die Tage nicht exakt, fällt der Ertrag viel niedriger oder sogar negativ aus." Der erste Top-55-Tag war der 7. August 1967 mit einem Plus von 4,7 Prozent, der beste Handelstag insgesamt der 13. Oktober 2008 mit einer Tagesrendite von stolzen 11,4 Prozent. 

Lehmann: "Dazu zwei Beispiele: Wer immer am Tag nach einem der Top-55-Tage kaufte, hätte anstelle der 6,1 lediglich 0,64 Prozent p.a. verdient. Am Tag vor den Top-55-Tagen wären es sogar minus 1,13 Prozent p.a. gewesen." Die Wahrscheinlichkeit, exakt nur alle 55 Top-Tage zu treffen, sei dabei ungefähr so winzig, wie 19-mal hintereinander im Lotto sechs Richtige plus Superzahl anzukreuzen. Lehmann rät Anlegern deshalb, besser langfristig zu investieren als mit kurzfristigen Trades auf den schnellen Euro zu spekulieren. (kb/ps)