Welche Barometer der SpaceX-Börsengang besonders trifft
Beim Börsengang der Raumfahrtfirma SpaceX zeichnet sich eine hohe Nachfrage ab. Die Aktie soll zudem rasch in einige Indizes aufsteigen. Bei manchen Barometern zieht das weitreichende Folgen nach sich, bei anderen nicht. Dies hat Auswirkungen auf ETFs – aber auch auf aktive Fonds.
Mit dem Mega-Börsengang des Raumfahrtunternehmens SpaceX rückt die Aktie in zahlreiche Indizes auf – und damit auch in börsengehandelte Fonds (ETFs). Einige Barometerbauer haben sogar ihre Regeln geändert, damit Elon Musks Firma rasch in die Messlatten der Kapitalmärkte aufsteigen kann. Doch die Express-Aufnahme in Barometer kann zu Preisverwerfungen führen – und somit ETF-Anleger treffen, mahnt Birgit Henseler von der DZ Bank in einer Analyse. Manche Indizes trifft der Börsengang stärker als andere.
So stemmt sich etwa der Anbieter S&P Dow Jones gegen den Trend und behält seine bisherigen Regeln bei. Die Gesamtbewertung von SpaceX soll sich immerhin auf bis zu 1,8 Billionen US-Dollar beziffern. Die Regeln sehen neben der Marktkapitalisierung einen ausreichend großen Streubesitz sowie eine Profitabilität vor. Bei beiden Punkten hapert es bei Musks All-Firma. Damit steht ein rascher Aufstieg von SpaceX in die Top-Barometer des Hauses wie den S&P 500 nicht an.
Express-Aufnahme für Giga-IPOs
Anders halten es der Börsenbetreiber Nasdaq und der Indexanbieter FTSE Russell. Beide haben mit Blick auf die anstehenden Mega-IPOs, nach SpaceX sollen noch die KI-Konzerne OpenAI sowie Anthropic aufs Parkett gehen, ihre Regeln geändert und ermöglichen großen Börsenaspiranten eine Express-Aufnahme. Noch offen ist die Lage bei MSCI. Eine Regeländerung nimmt der Indexriese nicht vor, verweist aber darauf, bereits Schnellaufnahmeverfahren eingerichtet zu haben.
Der Express-Aufstieg in die erste Börsenliga ruft demzufolge Kritik hervor. Denn mit dem raschen Aufstieg in eine Messlatte müssen auch Indexfonds die Titel erwerben. "Wird eine Aktie neu in den Index aufgenommen, löst dies einen Kaufautomatismus aus", formuliert es DZ-Bank-Analystin Henseler. "Der Fonds ist dann gezwungen, die Aktie unabhängig vom Preis zu erwerben." Zudem konzentrierten sich die Käufe auf wenige Tage. "Ein großer Teil der Käufe fällt in das enge Zeitfenster zwischen Erstnotiz und wirksamer Aufnahme", schreibt Henseler.
Geringer Streubesitz
Der großen Nachfrage steht ein begrenztes Angebot gegenüber. Denn bei SpaceX etwa ist der freie Streubesitz nur gering. Zwar ist der Börsengang zweifach überzeichnet, doch kommen nur Titel im Volumen von 75 Milliarden Dollar auf den Markt. Bei der Indexgewichtung zieht die Nasdaq die Gesamtbewertung heran. Der Free-Float wird also gleichsam gehebelt. Immerhin führte der Indexanbieter eine Begrenzung ein.
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"Dennoch bleibt die Pflichtnachfrage der Fonds auf einen knappen Bestand frei handelbarer Aktien gerichtet, sodass kurzfristige Kursschwankungen nicht auszuschließen sind", warnt die DZ-Bank-Expertin. Die bisherigen Regeln sahen eine Art Karenzzeit vor, in der sich die neuen Aktien zunächst auf dem Parkett beweisen mussten und die Preisfindung sich einspielen konnte. FTSE Russell wiederum betont, die Mindestanforderungen für den Streubesitz nicht verändert zu haben.
Spürbares Gewicht erreichen
SpaceX, OpenAI & Co. erhalten also je nach Indexanbieter unterschiedliche Gewichte. Doch auch je nach einzelnem Barometer kommt es zu unterschiedlichen Folgen der Mega-IPOs. Dies hänge auch von der Konzentration der jeweiligen Messlatte ab, erläutert Henseler. "In einem technologielastigen Index, der ohnehin von wenigen sehr großen Werten dominiert wird, kann ein streubesitzarmer Neuzugang rasch die größten Mitglieder einholen und ein spürbares Gewicht erreichen", so die Analystin.
"Die Verwässerung der bisherigen Schwergewichte fällt entsprechend deutlich aus", schreibt die DZ-Bank-Expertin. In einem marktbreiten Index verteile sich die Verwässerung dagegen auf eine weit größere Zahl an Mitgliedern, sodass sie pro Titel weniger ins Gewicht fällt und damit der Effekt gering bleibe. "Der Anpassungsdruck trifft somit ausgerechnet die technologielastigen Indizes, deren Schwergewichte nach der Rally der vergangenen Jahre teils bereits ambitioniert bewertet sind."
Auch aktive Fonds unter Druck
Ein Indexaufstieg der großen Börsenaspiranten trifft jedoch nicht nur passive Fonds, mahnt die Kapitalmarktkennerin. "Auch Portfoliomanager aktiv gesteuerter Fonds geraten unter Druck", erläutert Henseler. "Wer einen großen Neuzugang nicht kauft, läuft Gefahr, hinter seiner Vergleichsmarke zurückzubleiben." Aus diesem Grund werde häufig ebenfalls eine Position aufgebaut. "Zusammenfassend könnte die gebündelte Pflichtnachfrage rund um die Aufnahmetermine die Kurse kurzfristig beeinflussen und zu erhöhter Volatilität führen", resümiert die Analystin. (ert)















