In drei Wochen wird die Europäische Zentralbank (EZB) über mögliche Zinssenkungen oder Anleihekäufe entscheiden – und angesichts der sich abkühlenden Konjunktur fordern immer mehr Stimmen eine klare Positionierung der Notenbanker. Bundesbankpräsident Jens Weidmann hält einen Großeinsatz der Geldpolitik jedoch für einen Fehler. Es sei mittlerweile ein üblicher Reflex geworden, sofort danach zu rufen, sagte Weidmann der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS). Im Interview warnt er vor "Panik" und "Aktionismus".

Es sei ein Trugschluss, dass die Zentralbanken die einzigen handlungsfähigen Akteure in einer Krise seien, erklärte Weidmann der FAS. Sollte es in Deutschland zu einer echten Rezession kommen, wäre aus seiner Sicht die Bundesregierung gefordert, die Konjunktur mit entsprechenden Programmen anzukurbeln. Bislang sieht er allerdings keinen Handlungsbedarf. Zwar stecke Deutschland in einer konjunkturellen Flaute. Allerdings komme die Bundesrepublik auch aus einem langen Aufschwung mit Rekordbeschäftigung und stark ausgelasteten Kapazitäten.

Anleihekäufe führen zu Interessenskonflikt
Der Gedanke, dass die obersten Währungshüter die Zinsen möglicherweise weiter ins Negative drücken könnten, bereitet dem Bundesbankpräsident zunehmend Sorge. "Je niedriger die Zinsen sind, umso stärker wird etwa der Anreiz, Bargeld zu halten", sagte Weidmann der Zeitung. Irgendwann würden die Zinssenkungen darum ins Leere laufen.

Sollte die EZB abermals Staatsanleihen aufkaufen, fürchtet er einen Interessenskonflikt. "Sie wissen, dass ich bei Staatsanleihekäufen besondere Vorsicht anmahne, weil sie die Trennlinie zwischen Geldpolitik und Fiskalpolitik zu verwischen drohen", sagte Weidmann im Interview. (fp)