Christine Lagarde soll am Mittwoch (19.8.) beim Weltwirtschaftsforums (WEF) in Genf sprechen. Dies geht der Nachrichtenagentur "Bloomberg" zufolge aus der am Freitag (14.8.) veröffentlichten Wochenagenda der Europäischen Zentralbank (EZB) mit öffentlichen Auftritten hervor. Ihr Besuch in Genf dürfte die Diskussion über einen vorzeitigen Rückzug der EZB-Präsidentin neu entfachen, vermutet "Bloomberg".

Podiumsauftritte wie der geplante sind an sich nicht ungewöhnlich. Spekulationen darüber, dass Lagarde vor dem Ende ihrer achtjährigen Amtszeit in Frankfurt im Oktober 2027 ausscheiden könnte, kamen jedoch bereits im vergangenen Jahr auf. Damals hatte ein Bericht nahegelegt, dass sie die Führung des WEF übernehmen könnte.

Spekulationen heruntergespielt
Lagarde spielte entsprechende Spekulationen seinerzeit herunter und versprach, ihre Amtszeit bei der EZB zu Ende zu führen. Klaus Schwab, Gründer des WEF, sagte dagegen, Lagarde habe mit ihm darüber gesprochen, dort seine Nachfolge als Vorsitzende anzutreten.

Lagarde ist Mitglied des Stiftungsrats des WEF und damit formal für den Spitzenposten der Organisation qualifiziert. Der Stiftungsrat kommt am Dienstag (18.8.) zu einer Präsenzsitzung in Genf zusammen. Schweizer Medien berichteten, dass dabei die Zukunft des WEF im Mittelpunkt stehen werde. Aus der Agenda der EZB geht nicht hervor, ob Lagarde an der Sitzung teilnehmen wird.

Lagardes Äußerungen nähren Debatte
Die Spekulationen über einen vorzeitigen Abschied Lagardes halten an und wurden auch durch ihre eigenen Äußerungen genährt. Ihr Auftritt in diesem Monat erfolgt nur wenige Wochen, nachdem sie es vermieden hatte zu bekräftigen, dass sie bis zum Ende ihrer Amtszeit EZB-Präsidentin bleiben werde.

Das WEF, das vor allem für sein jährliches Treffen in Davos bekannt ist, gilt weiterhin weithin als mögliche Option für Lagarde. Zuletzt wollte sie aber auch eine Rolle in der französischen Politik nicht ausschließen, "in welcher Funktion auch immer ich am wirkungsvollsten sein werde".

Als Ehrengast bei Hervé Morin
Im September, nur wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl, soll Lagarde Ehrengast bei einem jährlichen politischen Treffen sein, das Hervé Morin organisiert. Morin ist Präsident der Region Normandie und Vorsitzender der Partei Les Centristes.

Morin und Lagarde gehörten ab 2007 als wichtige Minister der Regierung unter Präsident Nicolas Sarkozy an. Morin leitete drei Jahre lang das Verteidigungsressort. Lagarde war zunächst für Landwirtschaft und Fischerei zuständig, bevor sie zur Finanzministerin aufstieg. 2011 wechselte sie an die Spitze des Internationalen Währungsfonds. Ein Sprecher der EZB wollte sich weder zu Lagardes Engagement in Frankreich noch zur Sitzung des WEF-Stiftungsrats äußern.

Debatte über mögliche Nachfolger
Die Diskussion über einen möglichen vorzeitigen Rückzug Lagardes befeuert zugleich die Debatte über ihre Nachfolge. In der vergangenen Woche sprach sich die niederländische Regierung für den früheren Notenbankchef Klaas Knot als Kandidaten des Landes aus. Deutschland erwägt derweil, Bundesbankpräsident Joachim Nagel zu nominieren.

Auch Spanien hat bereits Interesse signalisiert und dürfte Pablo Hernandez de Cos unterstützen. Der frühere Chef der spanischen Zentralbank steht derzeit an der Spitze der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Von "Bloomberg" befragte Ökonomen erwarten, dass er sich im Rennen gegen Knot durchsetzen wird. Allerdings könnten noch Kandidaten in letzter Minute auftauchen – so wie seinerzeit Lagarde selbst. (mb/Bloomberg)