Robo-Advisor sind laut einer Analyse der Fondsratingagentur Morningstar längst nicht so innovativ, wie die Anbieter Investoren gerne glauben lassen. "Die digitalen Vermögensverwalter bieten in erster Linie alten Wein in neuen Schläuchen an", stellt Morningstar-Experte Ali Masarwah unmissverständlich klar. Und: Ihre Kosten – Hauptbeweggrund vieler Geldgeber, überhaupt ein Auge auf die digitalen Portfoliomaneger zu werfen – fallen im Vergleich zu den angebotenen Leistungen recht hoch aus.

Laut dem Internetportal brokervergleich.de kommen die im Wettbewerb stehenden Robos auf Kosten zwischen 0,4 bis 1,4 Prozent pro Jahr – und zwar ohne Handelskosten oder Performance-Gebühren. "Das ist viel, bedenkt man, dass die allermeisten Robo Advisor kein aufwendiges Research betreiben", kritisiert Masarwah.

Weiterer Kritikpunkt: Robos haben ihr Können bislang kaum in der Praxis unter Beweis gestellt. Dafür ist ihre Historie zu kurz. Die ersten digitalen Vermögensverwalter wurden erst im Jahr 2013 lanciert. Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Roboter-Manager in den vergangenen drei Jahren hinter einer Benchmark aus jeweils 50 Prozent Aktien und Anleihen zurückgeblieben sind. Im vergangenen Jahr, das von zahlreichen Kapriolen geprägt war, haben Robo-Advisor unterm Strich eine eher durchwachsene Performance hingelegt: Zum Jahresende waren alle Anbieter im Test von brokervergleich.de deutlich im Minus.

Rad nicht neu erfunden
Masarwah rät Investoren zu mehr Nüchernheit: "Robos positionieren sich typischerweise gegen die Vermögensverwaltungen der Banken. Es gilt das Motto: Wir sind die demokratische Vermögensverwaltung, die sich auch Ottonormal-Anleger mit einer niedrigen fünfstelligen Euro-Summe leisten kann". Das könne schon sein, aber Fakt sei nun mal auch, dass die Vermögensverwaltung des kleinen Mannes nicht von Robos erfunden wurde, "sondern schon längst von Mischfonds angeboten wird." Kostengünstige Varianten auf ETF-Basis seien daher eine nachdenkenswerte Alternative zu Robos.

Marktbereinigung hat begonnen
Morningstar weist auch darauf hin, dass viele digitale Vermöegsnverwalter schon wieder vom Markt verschwunden sind. "Sammeln die digitalen Vermögensverwalter nicht genug Geld ein, geben sie über kurz oder lang auf – egal, wie gut ihre Leistung, also die Performance für den Anleger war", sagt Masarwah. Als Beispiel nennt er den Anbieter Werthstein: In einem Test des Beratungshauses Fonds Consult schnitt der digitale Vermögensverwalter hervorragend ab. Dennoch musste Werthstein kürzlich das Handtuch werfen. Zu wenig Investoren hatten dem Anbieter ihr Vermögen anvertraut. (fp)