Die Zentralbanken dürften ihre Goldkäufe laut Goldman Sachs verstärken und damit dazu beitragen, dass sich die Preise bis Jahresende erholen. Die Käufe werden 2026 im Durchschnitt wohl auf 60 Tonnen pro Monat steigen, schrieben die Analysten Lina Thomas und Daan Struyven. Im Rahmen eines überarbeiteten Modells zur Schätzung der Goldakkumulation lag der gleitende Zwölf-Monats-Durchschnitt der Käufe im März bei 50 Tonnen, nach einer vorherigen Angabe von 29 Tonnen.

Geopolitik stützt Gold-Nachfrage
Bei Zentralbanken gebe es ein "starkes grundlegendes Interesse an Gold, und die jüngsten geopolitischen Entwicklungen dürften die Diversifizierung im Laufe der Zeit weiter verstärken", schrieben die Analysten unter Verweis auf eine interne Umfrage.

Seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs steht Gold unter Druck. Höhere Energiekosten haben die weltweiten Inflationsrisiken erhöht und damit die Wahrscheinlichkeit verringert, dass Zentralbanken ihre Geldpolitik lockern. Da kein Ende des Konflikts absehbar ist, gerieten die globalen Anleihemärkte unter Verkaufsdruck. Der Renditeanstieg belastet das unverzinste Gold.

World Gold Council ebenfalls optimistisch
Goldmans Einschätzung zur Aktivität des offiziellen Sektors folgt auf eine positive Bewertung des World Gold Council. Die Organisation schätzte die Käufe der Zentralbanken im ersten Quartal auf 244 Tonnen, nach 208 Tonnen in den vorangegangenen drei Monaten.

Am Kassamarkt kostete Gold am Montagmorgen (18.5.) rund 4.534 US-Dollar je Unze. Zur Erinnerung: Das Rekordhoch Ende Januar lag bei knapp 5.600 Dollar. Goldman Sachs bekräftigte das Kursziel von 5.400 Dollar je Unze bis Ende dieses Jahres. Zuletzt hatten auch UBS und ANZ Group ähnliche Prognosen abgegeben.

Goldman kurzfristig vorsichtig
Kurzfristig zeigte sich Goldman jedoch vorsichtig. Gold sei "eine natürliche Liquiditätsquelle, falls private Investoren Bargeld benötigen – etwa wenn Aktienmärkte infolge höherer Zinsen und schwächerer Wachstumserwartungen unter Druck geraten", schrieben die Analysten.

Die Methode von Goldman zur Schätzung der Goldkäufe durch Zentralbanken beruhte teilweise auf Annahmen zu Kapitalflüssen aus britischen Handelsdaten. Diese Methodik wurde angepasst, da die Daten Veränderungen möglicherweise "nicht mehr vollständig widerspiegeln", so die Bank. (mb/Bloomberg)