Die Kreislaufwirtschaft erlebt als Investmentthema ein Comeback – auch wegen des Nahost-Konflikts, meinen Cezara Lozneanu und Yohann Terry, Portfoliomanager bei Swisscanto (Zürcher Kantonalbank). Der Krieg rücke die Versorgung der Weltwirtschaft mit Rohstoffen ins Rampenlicht, argumentieren die beiden Fondsmanager. Dies spreche – neben den bisher schon geltenden Argumenten – für einen schonenden Umgang mit Ressourcen.

"Im Iran-Konflikt ist die Versorgung mit Rohstoffen durch die Straße von Hormus zum alles entscheidenden Faktor geworden", schreiben Lozneanu und Terry in einer aktuellen Analyse. Auf dem Spiel stünden dabei nicht nur rund 20 Prozent des weltweit geförderten Öls und Erdgases. "Von der Blockade des Seewegs stark betroffen ist auch die Versorgung der Welt mit so diversen Stoffen wie Kupfer, Helium oder Schwefel für Düngemittel." Die drohenden Langfristfolgen der Verknappung hätten bereits zu erheblicher Volatilität an den Rohstoff- und Finanzmärkten geführt.

Zugleich sei zu beobachten, dass Investments aus dem Bereich der Kreislaufwirtschaft zuletzt eine teils starke Performance vorweisen konnten. Für die beiden Swisscanto-Manager ist das nur logisch: "Gemäß der Devise 'Reduce, Recycle, Reuse, Replace' – den '4 R' – entkoppelt das nachhaltige Investmentthema Wirtschaftswachstum und Rohstoffverbrauch." Dabei gehe es mittlerweile um mehr als den Schutz von Umwelt und Ressourcen: "Indem sie kritische Rohstoffe im 'System' hält, kann die Kreislaufwirtschaft auch einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit und wirtschaftlichen Unabhängigkeit leisten", sind Lozneanu und Terry überzeugt.

Geopolitik wird zum strukturellen Treiber
Für die Kreislaufwirtschaft zeichne sich nun ein Paradigmenwechsel ab. Früher sei die Regulierung die wichtigste Einflussgröße gewesen – inzwischen gewinne aber auch die Geopolitik als globale Triebkraft an Bedeutung. "Wie zuletzt der Iran-Konflikt verdeutlicht hat, werden tradierte Bündnisse wie die Nato oder die Vereinten Nationen durch neue politische Blöcke infrage gestellt. Gleichzeitig sieht sich der freie Handel zunehmend protektionistischen Tendenzen ausgesetzt", schreiben Lozneanu und Terry. Beispielhaft dafür stehe der von den USA befeuerte Zollstreit. "Direkte Folgen davon sind eine hohe Volatilität an den Finanzmärkten sowie die Verknappung von strategischen Rohstoffen – Letzteres durchaus absichtlich herbeigeführt und längst nicht nur beschränkt auf die Straße von Hormus."

Die beiden Fondsmanager verweisen auf Erhebungen der OECD, die zeigten, dass sich die Zahl der Exportrestriktionen für kritische Rohstoffe in den vergangenen Jahren deutlich erhöht habe. Die Hälfte der Handelshemmnisse sei dabei von Staaten verhängt worden, die selbst über große Rohstoffvorkommen verfügen. "Das Powerplay mit Rohstoffen hat längst begonnen", so Lozneanu und Terry. "Angesichts dieser Entwicklungen bleibt Staaten, Unternehmen wie auch Investoren kaum eine andere Wahl: Sie sind gezwungen, verstärkt auf die Themen wirtschaftliche Unabhängigkeit und die Versorgungssicherheit zu setzen."

Weder Energiewende noch Elektrifizierung kommen ohne kritische Rohstoffe aus
Die Kreislaufwirtschaft, die wichtige Rohstoffe im System halte, dränge sich in diesem Umfeld als attraktive Lösung auf, meint das Swisscanto-Duo. Dies gelte insbesondere angesichts der Tatsache, dass der erwähnte Paradigmenwechsel hin zur Geopolitik als Treiber mit zwei weiteren strukturellen Trends zusammenfalle, die sich ebenfalls durch ihren "Hunger" nach den genannten Rohstoffen auszeichneten. Dies sei zum einen die Energiewende weg von fossilen Brennstoffen hin zu kohlenstoffarmen Energien und zum anderen der generelle Trend zur Elektrifizierung. "Fest steht: Weder die Energiewende noch die Elektrifizierung kommen ohne kritische Rohstoffe aus", betonen Lozneanu und Terry.

Das Fazit der beiden Swisscanto-Fondsmanager: "Auch wenn in einigen Staaten derzeit Umweltfragen in den Hintergrund gerückt sind, bleiben 'saubere' Technologien wie auch die Kreislaufwirtschaft mit ihrem Fokus auf die '4 R' entscheidend für die Bewältigung der Ressourcenknappheit. Die jüngsten Turbulenzen bei Öl und Gas untermauern diesen Trend zusätzlich." (fp)